Full text : Der Karlsberg

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Zeit war eine furchtbar bewegte, dem kirchlichen-Leben un—
günstige, wenn nicht gar seindliche, sie mußte eilen, wollte
sie bereits Errungenes nicht wieder verlieren. Von
einem langen Noviziat konnte unter den obwaltenden Um—
ständen keine Rede sein. Sie wandte sich persönlich an den
Bischof von Metz, zu dessen Diözese das Kloster gehörte,
und erhielt von diesem die Versicherung, daß er den ge—
wünschten nötigen Dispens in Rom erwirken werde und
zwar in allerkürzester Frist.
Doch wieder vergingen Wochen, welche indessen von der
ehrwürdigen Mutter zur tüchtigen Vorbereitung der küns—
tigen Klosterschwester, zur Besestigung ihrer löblichen Vor—
sätze, auf das Beste ausgenutzt wurden. Dann langte endlich
das ersehnte wichtige Papier mit dem Segen des heiligen
Vaters an und nun sollte auch keine Stunde länger, als
nötig, gesäumt werden. Der nächste Samstag vor dem
Sonntag Septuagesima wurde als Tag der Weihe be—
stimmt und zugleich auch, daß die Feier, der aufgeregten
Zeiten halber, nur im Beisein der Geistlichkeit und der
Insassen des Klosters stattsinden sollte.
Der Tag war gekommen, Louise hatte in Gedanken und
Gebeten Abschied von der Welt, von Allem, was sie ge—
liebt, genommen und mit einer reinen, heiligen Begeister—
ung legte sie das feierliche Gelübde ab, fortan nur dem
Herrn in seinen Worten und Werken zu dienen. Als
dußeres Zeichen der Abgeschiedenheit von der Welt fiel dus
herrliche blonde Haar, der Schleier bedeckte das jungfräu—
liche Antlitz, und das scheinbar sromme Opfer, durch Herz⸗
losigkeit und Lüge erreicht, war vollbracht.
Naun konnte der Vater kommen, selbst er hatte kein
Recht, keine Macht, der Kirche die ihr Geweihte, die Braut
dem Himmel zu rauben.
Er hatte sein Kind wiedergesunden, doch für ihn war
es tot, lebendig in den Mauern des Klosters begraben.
Die zeitherigen Vorgänge im Kloster, besonders die
während des Samstags, waren in auffallender Weise ge—
heim gehalten worden, doch mit dem solgenden Sonntage
inderte sich dieses. Die geschmückte Kirche war den
Betenden wieder in all' ihren Teilen geöffnet worden und
der Vorhang verschwunden, welcher bisher die Nonnen.
den prosanen Blicken entzogen hatte. Unter den Klängen der
Orgel, von einer Schwesier gespielt, zogen die Nonnen aus
den Klosterräumen in die Kirche und auf ihre Plätze, ben
venigen Andächtigen sichtbar, unter denen sich auch der
            
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