Full text : Der Karlsberg

„Was würdest Tu thun?“ entgegnete rasch die Zigeu—
terin, welche die Worte aufgefangen.
„Dann sollte das Hetzen und Jagen für Dich zu Ende
sein. In meinem Lande würdest Du mit den Deinen Schutz
finden!“
Mit rechtem Ernste, dabei hatten ihre schönen Züge
eine Ruhe angenommen, die sie bis jetzt noch nicht ge—
zeigt, sprach nun Jana zu dem Prinzen Karl:
„Reiche mir Deine Hand, ich will sehen, was die Zukunfft
birgt.“
„So ists recht!“ rief Prinz Max, sichtlich erfreut, daß
die Unterhaltung eine andere Wendung nahm, die eine
heitere Wirkung versprach.
„Zeige Dich als das, was Du im Grunde nur sein solltest:
zine glückverheißende Wahrsagerin! So wirst Du mir besser
zefallen und auch mir mein Glück verkünden dürfen.“
Ohne auf diese Worte zu achten, streckte Jana dem
Prinzen Karl den nackten Arm entgegen, der ihr nach kur—
zem Zögern, wie von einer geheimnisvollen Macht ge—
trieben, seine Rechte reichte. Wie Feuer traf ihn die Be—
rührung der Zigeunerin, die seine Hand lange umfaßt hielt
ind hineinschaute — doch hauptfächlich in die Ferne hinaus
horchte, wo ihrem scharfen Ohr ein ungewöhnliches, äugst—
lich klingendes Geräusch von Stimmen hörbar geworden.
Nun sprach sie langsam und ernst in ihrem tiefen iind wohl—
autendem Ton:
„Du hast Glück! Noch ehe die Sonne zur Ruhe gegangen
bist Du Herr in diesem Lande!“
Als ob diese, allerdings unglaubliche Prophezeihung
den Bann gebrochen, der auf dem sonst so ungestümen Prinz
zelastet, lachte er als Antwort unwillkürlich laut auf und
rief dann, wie auf einen Scherz eingehend:
„Wenn mein allergnädigster Herr Oheim mir das Ver—
gnügen machen wollte, heute noch das Zeitliche zu segnen,
ließ ich Dir, der schönen Zigeunerin, auf diesem öden Berge
ein Schloß, das seines Gleichen nicht haben sollte und
ganz Deiner braunen Schönheit würdig wäre, bauen. Ja, als
erster Kavalier wollte ich selbst Dir huldigen. Doch Seine
Durchlaucht Herzog Christian der Vierte wird sich wohl be—
sinnen, ehe er seinem Nachfolger den Platz räumt. Daß
Leben an der Seite seiner schönen Gräfin von Forbach ist
zu angenehm für ihn.“
„Ich nehme Dich beim Worte!“ entgegnete die Zigeu—
nerin rasch. „Doch gestatte mir nur hier im Walde mit
meinem Volke zu wohnen, lafsse Du Dir hier ein Schloß
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.