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Neuntes Kapitel.
Wiedergefunden und doch verloren.
Etwa zwei Monate nach den, in den früheren Kapiteln
geschilderten Vorgängen in der Eremitage trat ein Mann, in
einen Pelzrock gehüllt, mit eingefallenen, bleichen Wangen,
unsicheren Schrittes aus dem Zelte Jana's hinaus auf den
freien Platz im Walde. Es war ein klarer, sonniger Winter—
tag und die goldenen erwärmenden Strahlen wirkten mächtig
auf den matt Dahinschleichenden. Das bleiche Antlitz be—
lebte sich, das Auge blickte voll freudiger Hoffnung hinauf
in den klaren, vom Sonnenlichte durchstrahlten Himmel, und
Dankesworte flüsterten wohl betend die Lippen. Es war
Henry Tümmler, der von einer langen, gefährlichen Krank—
heit, die ihn dem Rande des Grabes näher geführt, ge—
nesen, sich wieder frei und im Freien bewegen durfte. Ihn,
den Schwerkranken, und ihr totes Kind hatte Jana nach
zer furchtbaren Katastrophe in der Eremitage in ihr Zelt
schafsen lassen. In einer Abteilung desselben erhob sich
bald ein niederer Hügel, darunter schlummerte, von der
trauernden Mutter bewacht, Hanoscha, die im Leben Elsa
geheißen, während der Kranke auf dem Tivan des großen
Zeltraumes ein passendes Lager gefunden. Zwischen dem
Grabhügel und dem Krankenlager lebte Jana, Beiden galt
ihr Denken und Thun.
Die Frau mit dem wilden Sinne schien durch den ge—
waltigen Schmerz eine dauernde Wandlung erfahren, die
liebende Mutter, die Zigeunerin, welche nur zu hassen ver—
mochte, für immer besiegt zu haben. Die Gedanken, welch?
ihr Herz am Grabe ihres Kindes erfüllen, wurden am
Krankenlager Henry's zur That. Mit einer wahren müt—
terlichen Sorgfalt pflegte sie den jungen Mann, der ihre
danoscha geliebt, und ohne diese wirksame Pflege hätte wohl
ruch bald ein Grabhügel sich über ihm geschlossen.
Die Erschütterung, welche Henry in jener Nacht zu
rdulden gehabt, war eine doppelte gewesen; der ent—
setzliche Anblick der einst so geliebten Totenn hatte sein ganzes
Nervensystem gewaltsam angegriffen und der Schlag, den