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Ein gellender Schrei entfuhr ihrem Munde, denn sie
hatte Destner gesehen und erkannt. Zugleich war sie vom
Boden emporgeschnellt, doch der nächste Augenblick schien die
gewaltsame Bewegung wieder besiegt zu haben, denn hoch—
aufgerichtet, regungslos schaute sie Testner entgegen und
mit ihrer tiefen Stimme, die ein eigentümliches Beben,
wie gewaltsam zurückgehaltener Wut, durchzittert, sprach
sie langsam, fast feierlich:
„Hanosch Destero — hierher! — Vor der Toten höre,
was ich Dir noch zu sagen habe.“
Der Forstmeister, welcher bei der Nennung seines alten
Zigeuner-Namens zusammengefahren, solgte unwillkür—
lich dem Befehle. Wie von einem entsetzlichen Grauen er—
faßt und getrieben, näherte er sich Schritt für Schritt der
»erhängnisvollen Stelle.
Plötzlich trat Jana auf ihn zu, faßte ihn am Arm
und zog ihn mit gewaltiger Kraft zu dem Lager, vor die
Tote hin. Auf diese deutend, sprach sie in ihrer früheren
Weise, nur wurde der Fluß ihrer Rede immer lebendiger:
„DTies also war das Schauspiel, zu dem Du mich ge—
saden?! Ein Weib — enthauptet, wie der größte der Ver—
brecher. Ein armes Kind, das Du Deinem elenden Herrn
in die Arme geworfen, um es jetzt, zertreten, verhöhnt, zu
einem solchen furchtbaren Tode zu verdammen! — Keunnst
Du das Weib, welches hier tot vor Dir liegt!? — Kennst
Du Dein Opfer, Hanosch Destero?“
Tem Forstmeister, sonst so kalt und gefühllos, schien
die volle Besinnung abhanden gekommen zu sein. Er starrte,
keines Wortes mächtig, die Sprecherin an. Dann fuhr diese
mit erhöhter Stimme fort:
„Ich will Dir sagen, wen Du entehrt — dann getötet
hast! — Dein Ahnen täuschte Dich nicht, als Du vor
wenigen Monden in der Nacht mein Zelt aufsuchtest, um
mich — über unser Kind zu befragen. Du hast es gefunden
und seinem Schicksale entgegengefüͤhrt. Freue Dich — oder
zittere, weine, wenn Du es vermagst — die hier durch Dich
gemordet vor Dir liegt, ist Dein Kind — ist unsere Ha—
noscha!“
Jetzt gewann die Gestalt Destner's wieder Leben. Aufzuckend,
die Hände wie abwehrend von sich streckend, schrie
er auf:
„Du lügst, Hexe! — willst mich durch Deine Worte
foltern. Tie Elende, welche ihrer gerechten Strafe
erlag, ist das Kind des alten Försters Dümmler. Sage, daß
Du lügst — oder —“