Full text : Der Karlsberg

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deckt — erkannt, und mit fliegender Hast war er darauf zu—
gestürzt. Jetzt sah er auch, was geschehen. Wie ein ver—
nichtender Schlag durchzuckte es sein Hirn, seine Glieder; er
wollte aufschreien, doch seine Stimme war gelähmt, vor
seinen Augen war es Nacht und die Sinne vergingen ihm.
Er taumelle zurück, einige Augenblicke haltlos hin und her,
dann fiel er mit aller Gewalt zur Seite des düsteren La—
gers nieder.
Jetzt entrang sich ein leiser wimmernder Wehschrei dem
Mundeé des Bewußtlosen, dann ward es wieder stille, und
als ob der Tod auch hier ein Leben getroffen, blieb die
Gestalt auf dem schwarzen, blutbefleckten Tuche des Bo—
dens liegen.
Die Mutter achtete des Vorfalles nicht, sie vermochte es
nicht, denn der Schmerz, der entsetzliche, der in ihrem Her—
zen eingekehrt, war zu gewaltig selbst für ihre Kräfte ge—
wesen, er hatte ihr Fühlen und Denken überwältigt, in
seine peinigenden Banden geschlagen und sie für alles An—
dere unempfindlich gemacht.
Das unsägliche Weh schien ihre ganze Natur verwandelt
zu haben; ihre wilde Energie, ihr tiefer Haß mußten vor
dem furchtbaren Erlebnis verschwunden sein, denn ihr Mund
fand keine Verwünschungen, keine Flüche mehr, doch dafür
ihr Auge, was ihm bisher fremd geblieben: Thränen.
Ta wurden draußen auf der Treppe Schritte vernehm—
bar, hastig schienen sie sich dem ofsenen Eingang des Saales
zu nähern.
Es war Destner.
Ein scharfer Ritt hatte ihn nach der Eremitage zurück—
gebracht. Hier fand er zu seinem Erstaunen, das bald in
Schrecken uͤberging, das äußere Einlaßpförtchen geöffnet.
Er durcheilte den Hof und auch die Thüre des Hauses öff—
nete sich beim ersten Trucke auf die mächtige Klinke! In
dem düsteren Flur war es stille, doch oben glaubte sein ge—
übtes Ohr ein leises, wehes Wimmern zu hören. Entsetzen
faßte den Mann mit dem harten Herzen, doch trieb es ihn
zugleich unwiderstehlich die Treppe hinan, und rasch, in
sfieberhafter Eile, erstieg er die Stufen.
Jetzt erschien er in der offenen Thüre des Saales.
Ein Blick, und Destner erkannte Jana, die vor der
verhaßten Toten am Boden lag und weinte. Eine zweite
Gestalt, einen Mann, sah er neben dem Lager regungslos
auf dem schwarzen Teppich liegen.
Noch hatte Testner sich nicht die Frage vorgelegt, was
während seiner Abwesenheit geschehen, was das Thun Ja—
tta's bedeuten könne, da wandte letztere den Kopf.
            
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