„Trinke Wein, Wasser ziemt sich nicht für Dich. Ich
holte ihn vor wenigen Augenblicken, dem Baner und seinen
Rnechten zum Troß aus dem Keller des Geschäftes dort
unten und noch haben meine Lippen den Rand des Ge⸗
fäßes nicht berührt. — Der Knecht mag Wasser trinken,
sein Wein ist für seinen Herru! Trinke!“
„Wer bist Du?“ herrschte der Prinz in seiner ersten Auf—
wallung die Sprechende an, ohne den Blick von ihr abzu—
wenden. J
„Ein Zigeunerweib,“ entgegnete Jana und der Blick
ihrer Augen flammte auf.
Wilder Zorn und Haß spielten sich nun darin ab, und
schneidiger wurde der Ton ihrer Stimine, als sie fortfuhr
„Nur ein elendes Zigeunerweib, das die Menschen hetzien
und verjagten — schlimmer wie der Jagdherr dort im Walde
den armen edlen Hirsch — von Ort zu Ort, bis hierher
au die Grenzen des Laudes, dessen Volk ich hasse und —
verfluche!“
„Haha!“ lachte Prinz Karl auf, „eine neue Bundesge—
nossin!“
„So ist es!“ fiel Jana rasch und keck ein. „Dann bist
Du etwa anders dran, als ich? Ich kenne Dich wohl! Dp
solltest der Erste nach dem Fürsten jein und bist schlimmer
gebettet, als der letzte Jäger, denn vor jenem wardst TDü
erniedrigt, beschintpft und gehöhnt. Räche Dich an dem
höfischen Geschmeiß, das Dir frech den Rücken kehrt, um dip
Jüße der Favoritin ihres Herrn zu küssen, ihren Söhnen
zu huldigen. Räche Dich an dem feigen Volk das Dich höh—
nend, sich freute, über den Schimpf frohlockte, den man
Dir angethan; das Dich draußen beim Vorüberreiten ge⸗
bückten Hauptes in kriechender Demuth grüßt und im Her—
zen Teiner spottet. Hasse die Brut, — wie ich sie hasse!
peitsche sie! Werde ihr Herr, regiere sie mit feuriger Ruthe:
zeige ihnen, daß sie nur atmen, um für Dich im Schweiße
ihres Angesichtes zu schaffen, daß sie nur einen Willen
haben: den Teinigen — und mein Fluch, den ich auf dies
Land herabgefleht, wird in Erfüllung gehen.“
Prinz Karl war verstummt, er fühlte daß die Zigeunerin
mit ihren Worten sein Herz getroffen Von der dämonischen
Macht und Schönheit des jungen brauuen Weibes fühlte er
sich wie gebannt und jetzt schon besiegt.
Sein Bruder Max haͤtie sich erschrocken von der Sprechen
den abwendet.
Endlich machte Prinz Karl eine Bewegung.
„Wenn ich Herr wäre!“ murmelte er den Blick senkend
und die Zähne zusammenpressend.