Full text : Der Karlsberg

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Reihe Beschwerden gegen die herzogliche Re—
gierung aufgestellt, und als sie auf Hindernifse stießen, das
Rathaus mit Gewalt besetzt!“
„Ah! — Endlich einen Anfang! Doch weiter, weiter!“
lönte es mit einem wilden Freudenschrei. Zugleich blitzte
ein bläuliches Flämmchen auf. Jana zündete die Lampe aͤn.
„Die Wackeren bleiben nicht auf halbem Wege stehen,
sie wollen sich von dem herzoglichen Regiment lossagen, sich
direkt an die französische National-Versammlung wenden,
um Einverleibung mit Frankreich bitten —“
„Unnötig!“ rief Jana, während Henry plötzlich, mitten
in seinem Satze, abbrach und verstummte. „Was Frankreich
erlangt und noch erlangen wird, muß auch der Pfalz werden
— Doch warum schweigst Du und läßt Deinen Blick so
starr quf mir ruhen?“
Das Licht brannte und erhellte nun vollständig das
bisheran so dunkle Innere des Zeltes, wie auch die Zigeu—
nerin, deren phantastisch geschmückte Gestalt plötzlich den
Augen Henry's sichtbar geworden war.
Diesem schien mit einem Male die Sprache die Besinn—
—
Augen, ofsenem Munde stand er da und starrte Jana an,
als ob mit dem Lichte eine übernatürliche Erscheinung vor
sein Auge getreten. Hochaufgerichtet war Jana einen Schritt
auf ihn zugetreten und, den Arm ihm besehlend entgegen—
streckend, schien sie ihre frühere Fragé nun in stummer Weise
zu wiederholen.
Endlich ermannte sich Henry. Als ob sein Geist noch
immer in nebelhaften Fernen weile, sagte er gleich—
sam für sich:
„Also — wie Du jetzt vor mir stehst — sah ich schon
— vor vielen Jahren, da ich noch ein Knabe war und hier
auf dem öden Berge nur Steinhaufen, Gerölle lagen, noch
keine stolzen Schlösser sich erhoben — auch den roten Koral—
lenschmuck, die goldenen Pfennige, welche Dir um Kopf
und Hals hingen — Deine tiefe, volle Stimme erkenne ich
wieder! — Ja, Du bist es, die ich gesehen, die dem Knaben
vie eine wundersame Fee erschien. Doch damals warst Du
iung und schön und glichest ihr — ah!“
Mit einem jähen Aufschrei brach der Erregte ab und
schlug beide Hände vor das Gesicht, als ob er sich gegen sein
rötliches Weh, dessen er sich wohl schämte, schirmen und
vehren wolle.
Mit wachsendem Erstaunen hatte Jana diese unerwartete
Wandlung ihres Boten bemerkt, seinen seltsamen Worten
            
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