24
4294
dernden braunen Horden erkennen ließ. Am Morgen des
Tages war ihr ein gesiegeltes Zettelchen gebracht worden,
das ein den Karlsberg durchstreifender Zigeuner von einem
Jäger mit der Weisung erhalten hatte, es der Soberana
zu überbringen. Jana hatte das Siegel erbrochen, den In—
halt des Zettels gelesen. Es war von Destner und kündete
ihr in wenigen Worten an, daß heute Nacht das elende Ge—
schöpf, welches sich gegen Testner zu erheben gewagt, Jana
beschimpft, in der Eremitage seine wohlverdiente Strafe
empfangen würde. Ein dreimaliges Pochen am großen Ein—
gangsthore, vor Mitternacht, würde ihr Einlaß, die Exe—
kution volle Genugthuung gewähren, für die Schmach,
welche die Verurteilte ihr angethan.
„Ich werde kommen! und bin begierig, der Frechen in
das Antlitz zu schauen, welches Wunder vollbracht, um jetzt
wohl angespieen zu werden. Wie ihr Fall so schnell ge—
kommen, ist mir noch ein Rätsel, doch glaube ich, es lösen
zu können. Die Liebe wird im Spiel gewesen sein — die
hübsche Hexe hat ihren Herrn betrogen und wird dafür bü—
ßen müssen — haha! — wohl gar mit Ruthen gestrichen
verden. Ich will es sehen und werde kommen.“
So sagte sich Jana und, unbekannt mit den geheimnis—
pollen Vorbereitungen der furchtbaren Strafe, welche die
arme Elsa trefsen sollte, begann sie am Nachmittage sich zu
schmücken. Als Herrscherin ihres Volkes sollte die Ver—
urteilte sie schauen, in ihr die Frau wiedererkennen,
welche sie niedergeritten und dabei so frech verhöhnt.
Dae buntesten, kostbarsten Tücher, der glänzendste Schmuck
wurde aus der Lade hervorgesucht, und die einst so schöne,
nun alt und häßlich gewordene Zigeunerin versuchte sich
zu putzen, in Pphantastischer, blendender Weise,
wie eheden, wo jedes umgeworfene Tuch, und war
es ein elender Fetzen, schon ihre Reize ge—
hoben. Toch wie ganz anders war es jetzt, als Jang, mit
ihrem Aufputz fertig, sich in dem blankgeschliffenen Metall—
spiegel betrachtete. Wohl umwand ein kostbares Seiden—
tuch das Haar, wohl hingen an den Ohren, um den braunen
Hals die roten Schnüre mit den kleinen goldenen Schau—
münzen, wohl umschloß die Hüfte der reiche persische Shawl
— wie vor Jahren — als sie den jungen Herzog zum ersten
Mal gesehen, berückt und gefangen. Doch die Jana von
damals war es nicht mehr, die stolze, glühende Schönheit
hatte sich in eine alte, abgezehrte Zigeunerin verwandelt.
Das Haar war ergraut, der Glanz der Augen ein wider—
wärtiger geworden und die schimmernden Goldmünzen ver—