Full text : Der Karlsberg

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Noch müssen wir für einen Augenblick in die Eremitage
zurückkehren.
In dem düsteren Saal, der den blutigen Schluß des
Dramas gesehen, stand an einem Ende ein Ruhelager mit
schwarzer Tecke belegt, das man früher kaum bemerkt hatte
Von den drei Personen, welche dort zurückgeblieben, be—
schäftigten sich jetzt zwei, mehrere der vorhandenen silber—
nen Leuchter um das Lager zu gruppieren, dann ergriffen
sie den toten verstümmelten Körper der Unglücklichen, das
bleiche blutleere und doch immer so schöne Haupt und bet—
teten sie auf das, zu einem Katafalk gewordene Lager. Diese
traurige Arbeit vollbracht, wollten die beiden Männer sich
entfernen, als ein barscher Wink der dritten maskierten Per—
son, welche sich mittlerweile in dem Sessel niedergelassen,
den früher der Herzog innegehabt, sie am Ausgange des
Saales zurückhielt. Nun erhob sich die Gestalt mühsam von
ihrem Sitze und schritt langsam auf das Lager zu.
An dem Kissen, der Stelle, wo das schwarze Tuch das
Blut Elsa's eingesaugt, mußte sie vorüber. Ta hemmte sie
plötzlich ihren Gang. Ein paar stechende Augen blickten
durch die Maske scharf auf den Boden, wo ein kleiner gold—
schimmernder Gegenstand lag, und ein weiblicher Mund
murmelte;

„Sieh da! — der hübsche goldene Schmuck! Den
soll das arme Kind denn doch mit in ihr frühes Grab
tehmen.“

Dabei bückte sie sich und hob von der feuchten Decke
des Bodens mit den Fingerspitzen einen kleinen goldenen
Pfennig an einem schmalen, durchschnittenen roten Bänd—
chen auf, den sie nach dem Lager, wo der Körper Elsa's
lag, trug. Hier ließ sie ihn auf den entblößten, blutbe—
fleckten Hals fallen und hatte noch den Mut, das bleiche,
tote Antlitz eine ganze Weile anzuschauen und dann zu
flüstern:

„Wie schön sie ist — noch im Tode! — das war Dein
Unglück, Tu warst zu schön, und was gekommen, konnte
nicht ausbleiben — oder Du hättest der alten ersahrenen
Mutter Aqanes solgen, sie nicht mit Füßen von Dir stoßen
sollen. Jetzt hast Du Deine Strafe, Du schöne, böse Hexe!
— Der Herr sei Deiner armen Seele gnädig — Amen!“

vollen blutigen Abenteuer zu machen. Seine Aussagen wurden zu
Protokoll genommen, und sollen sich die Akten heute noch in dem
Landauer Archiv befinden.
            
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