Full text : Der Karlsberg

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Da erlöschte plötzlich eines der Lichter, und mit einem
unterdrückten Wehschrei fuhren die Hände Elsa's nach den
Augen, diese zu bedecken, gleichsam vor einem Schreckensbild
 zu schützen, das das auslöschende Licht ihr hatte zeigen
vollen.
Do érstand vor ihrem inneren Auge, aus dem tiefen
Dunkel ein anderes Bild, das bald all' ihre Seelenkräfte
zefangen hielt.
Sie sah einen jungen Mann in einfacher Jägertracht,
der mit ernstem, tieftraurigem Blick sie anschaute. Er hatte
das braune Mädchen in dem einfachen ländlichen Kleide ge—
liebt, so wahr und innig, und war dafür — verhöhnt wor—
den. Mit Verachtung hatte er sich dann von ihr abgewandt,
als er sie, die zur Sünderin Gewordene, in den Armen eines
Andern gesehen; seine Liebe hatte er aus dem
Herzen gerissen und in seinem Zorn, seinem Weh einen Fluch
ihr nachgeschleudert, der nun in Erfüllung ging. Doch nur
Trauer und Mitleid kündete jetzt sein Auge, keinen Zorn,
keine Verachtung. — Auch der alte Mann mit dem halb—
erloschenen Blick, das junge blonde Mädchen, die dort neben
— Henry sich ihr zeigten, denen sie so viel Weh bereitet
hatte, schauten sie so traurig an: sie bemitleideten, bewein⸗
len daas Los der Armen, die zu ihnen gehört, die der alte
Mann wie sein eigenes Kind geliebt, gehütet, der die gute
fromme Louise eine so treue liebende Schwester ge—
vesen und die sie — Elsa — zum Dank dafür betrogen,
verleugnet.
Ein lauter Schrei entrang sich ihrer zuckenden Brust
und ihr ganzer Körper schüttelte sie wie im Fieberfrost.
Thränen schossen aus ihren Augen und mit klappernden
Zähnen muͤrmelte sie abgerissen, in verzweiflungsvollem
Ringen:
„Verleugnet hast Du sie — die Dich gehalten, geliebt
wie ihr Kind! und sie haben Dich verworfen, verdammt —
wie Er — den Du so frech betrogen! Wenn sie jetzt auch
weinen über Dich, so bist Du doch vor ihnen verflucht —
verflucht! und ihr Fluch — wird in Erfüllung gehen —
heute noch!“ —
Die letzten Worte gingen in ein krampfhaftes Schluch—
zen unter; und die Finger in die Stirne gekrallt, wand sie
wie von einem furchtbaren, nimmer zu ertragenden
Schmerz gefoltert, in ihrem Sitz hin und her.
„Das sind die Folgen — das ist die Strafe Deines
Thuns — Du hast es gewollt und verdient, was Dich trifft!“
            
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