Full text : Der Karlsberg

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keit vor sich gehen sollte. Damit mußte sie sich beruhigen.
Toch sonderbar! So richtig ihr auch mit den Stunden die—
ser Schluß dünkte, er beängstigte sie zugleich mehr und mehr,
als über dem geheimnisvollen Treiben in der Eremitage
der Nachmittag vergangen und der Abend gekommen war.
Mit den letzten Strahlen der Sonne, dem letzten Schein
des lichten Tages verstummte das Getöse im Hause, die
Arbeitenden entfernten sich, Thüren wurden zugeschlagen
und die ganze Oertlichkeit vecsank wieder in die frühere laut—
lose Stille, die jetzt bei den Schatten des Abends, der Nacht,
noch unheimlicher wirkte.
die Kerzen begannen nun in dem Raum, in welchem Elsa
weilte, zu erhellen; ihr schwaches Licht hatte den Glanz der
Soune, die lichte Helle des Tages überdauert und siegreich
hestand es jetzt den Kampf mit dem Dunkel der Nacht. Im—
mer heller strahlten die kleinen Flämmchen der Kerzen,
welche bald die Aufmerksamle!t Elsa's erregen mußten. Sie
hatte früher kaum darauf geachtet, nun aber blickte sie er—
ftaunt auf die Beleuchtung ihres seltsamen Gefängnisses.
Eine ziemliche Anzahl Wachskerzen brannten in dem Zim—
mer, auf den Tischen wie an den Wänden. Von verschie—
dener Größe, waren sie mehr oder minder herabgebrannt
und einige mußten in kurzer Zeit erlöschen. „Warum habe
ich sie aut hellen Tage brennen lassen?“ sagte sich Elsa,
doch auch bald wieder? „Die sie angezündet haben, werden
—R
chen, bis der Augenblick gekommen und ich das Zimmer ver—
lassen kann.“
Damit suchte sie sich zu beruhigen, wenn auch ein leich—
ter Schauder ihren Körper schüttelte beim Betrachten der
immer mehr zusammen schmelzenden Lichter, die mehr oder
minder schnell, doch alle erlöschen mußten.
Die Nacht war gekommen. Elsa wollte wie am Morgen
bvon den Speisen, von dem Weine genießen, doch sie ver—
mochte es nicht. Ein seltsames Bangen schnürte ihr die
Kehle zu, und mit einem tiefen Seufzer warf sie sich in
ihren Sitz
Wieder verging eine lange Pause in der öden Stille des
Ortes, doch kehrten der einsamen Gefangenen langsam die
sruweren Gedaunken wieder, führten sie jedoch diesmal andere
Wege. —
Und wenn er Tich doch nicht liebt, nicht mit Dir leben
will — Dich von sich stößt — was dann?“ So fragte sie
sich endlich, dabei mit wirrem Blick in die Flammen der
bvor ihr brennenden Kerzen starrend.
            
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