zu lassen! Sie sehen uns schon enterbt und huldigten der
neuen aufgehenden Sonne. Fluch und Schande über sie!“
„Tu siehst zu schwarz, Bruder,“ entgegnete Prinz Max.
„Kaiserliche Majestät in Wien werden sich zweimal bedenken,
ehe sie Ja und Amen sagen.“
„Mit Speck fängt man Mäuse! und mit Gold kaiserliche
Räte! Haha! Du kennst die Politik der Hofburg und des
alten Kaunitz schlecht. Konzessionen an Land und Leute,
die jetzt nichts kosten, doch für immer binden, vermögen
viel. Und um einen solchen Lieblingswunsch zur verwirkli—
chen, verspricht man Alles — besonders wenn man ein
alter, schwacher Mann ist, wie der Oheim, der sich von der
Gräfin, seiner Gemahlin, nur zu leicht leiten und regie—
ren läßt.“
„O, daß ich im Stande wäre, es ihnen Allen zu vergel—
ten! Sie sollten an mich und den heutigen Tag denken ünd
ein Recht sich erwerben, mich den „schlimmen Karl“ zu
nennen!“
Ein grelles, wildes Lachen schloß diese mit einer ver—
zehrenden inneren Wuth geflüsterte Rede; wußte er doch,
daß er nur zu seinem Bruder ungestraft in dieser Weise
reden durfte.
Herr von Esebeck hatte endlich die Pferde zusammenge—
koppelt und die Riemen in einiger Entfernung an den
Baum befestigt, dabei das Gespräch der Prinzen be—
lauschend.
Wenn er auch dem Prinzen Karl gegenüber den Unter—
würfigen und bis zum Tode Ergebenen spielte, so wußte der
Prinz zu gut, daß es eben nur ein Spiel war, wiewohl er
—— dieses gefährliche Spiel seine Stellung verlieren
onnte.
Doch daß Esebeck überhaupt dies Spiel gewagt, rechnete
ihm Prinz Karl schon hoch an. Er dachte: ist diefer Mann
Dir jetzt schon unter schwierigen Verhältnissen ergeben, so
wird er einstens, wenn die Macht in Deinen Händen ruht,
es auch wirklich sein.
Jetzt stand Herr von Esebeck einige Schritte vor dem
Prinzen, gleichsam dessen Befehl erwartend.
Prinz Karl hob den Kopf, lüftete den Hut und mit seinem
Taschentuche leicht über die Stirne fahrend, sagte er zu
dem Kavalier:
„Brennt auch die Sonne nicht allzusehr, so hat doch der
Tag nur was er mir gebracht, warm gemacht, ein frischer
Trunk würde mir und' meinem Brudes wohl thun. Herr
von Esebeck weiß meine Erregtheit zu würdigen, sonst wäre