357 —
die ich Euch anweisen werde, harrt ihr, das Schwert unter
dem Mantel verborgen, bis der Augenblick gekommen. Die
Verurteilte, ein Weib, wird eingeführt werden, in Eure
Nähe, Euch zur Hand, niederknieen. Einige Worte wird
sie reden, hierauf der Richter Euch laut auffordern, Eurer
Pflicht nachzukommen. Tann thut Ihr — was Eures
Amtes ist. Daß Ihr mich verstanden, weiß ich, wie auch,
daß Ihr meinen Worten gemäß handeln werdet. Jetzt
bommt!“
„Mit Gott, denn!“ murmelte der Meister noch, dann
folgte er, sein Schwert fest unter dem langen Mantel hal—
tend, seinem Führer, und Beide verließen das Gemach.
Durch die Maske vermochte Joslin den matterhellten
und schwarz behangenen großen Flur zu erkennen, den er
schon bei seiner Ankunft betreten. Die breite ebenfalls
schwarz drapierte Treppe leitete sein Führer ihn hinan,
dann öfsnete dieser eine Thüre und sie betraten nun einen
großen Saal.
Auch hier waren Wände und Fußboden mit schwarzem
Tuch behangen und belegt, auch hier brannten auf silbernen
Leuchtern Wachskerzen, deren mattes Licht den Raum nur
teilweise zu erhellen vermochte und ihn deshalb um so
größer und unheimlicher erscheinen ließ. In der Mitte des
Fußbodens befand sich unter der schwarzen Decke eine kleine
Erhöhung und auf derselben lag ein Kissen, ebenfalls von
schwarzem Tuch mit breiten silbernen Borten. Zur linken
Seite dieses Kifssens wurde Joslin geführt, dann verließ ihn
sein Begleiter. Der Meister wußte genug, jetzt ließ er sein
Auge durch den düstecen Saal schweifen und bemerkte nun
an einem Ende, dem Kissen gegenüber, etwa zehn Perso—
nen, alle mit langen schwarzen Mänteln und Halbmasken
angethan, die sich um eine ähnlich vermummte Gestalt grup—
pierten, die in einem schwarz behangenen Sessel saß. Diese
erschien Joslin als die vornehmste Persönlichkeit des ganzen
unheimlichen Vorganges, wie er in ihr auch den eigentlichen
Richter zu erblicken glaubte. Jetzt machte der Sitzende eine
Bewegung, sein Arm winkte, und der Führer des Meisters
berließ den Saal, wohl um die Verurteilte zu holen.
Elsa hatte Zeit gehabt über ihre Lage nachzudenken,
sowie den guten Rat, welchen Mutter Agnes ihr beim Ab—
schied gegeben, zu befolgen. Doch die Aermste ahnte nicht
im Entferntesten das surchtbare Schicksal, dem sie entgegen
ging, und so hatte ihr Denken denn nicht sofort die Wege
eingeschlagen, welche für sie die einzig richtigen gewesen