Full text : Der Karlsberg

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vermochte hinauszudringen und was er entdeckte, erfüllte
sie ebenso sehr mit Freude als mit Schrecken. Das
Fenster ging auf einen breiten Weg und den Wald hinaus,
doch war es mit starken gebauchten Eisenstäben verwährt.
Da wurden in der Ferne im Innern des Gebäudes
wieder Schritte hörbar, gleichmäßig wie früher, doch jetzt
immer näher kommend, durchhallten sie das öde Haus, und
von einem tötlichen Schreck gejagt, beeilte sich Elsa die
Lichter wieder an ihre frühere Stelle zu bringen.
Schon öffnete sich die Thüre und die beiden Leute er—
schienen wieder, Plateau's mit kalten Speisen, verschiedenen
Flaschen tragen, als ob es sich um ein Souper für meh—
rere Personen handle. Einer der Tische wurde gedeckt,
die Speisen darauf niedergesetzt, dann entfernten sich die
Diener wieder stumm wie sie gekommen. Die Thüre schloß
sich hinter ihnen, die Schritte verhallten, und nun blieb
stille draußen. Elsa war jetzt wohl für den Rest der Nacht
allein.
Sie lächelte bereits wieder. Wenn man sie so gut unter—
bringe, mit so köstlichen Speisen und in solcher Fülle ver—
sehe, dann könne man es nicht böse mit ihr meinen, sagt?
sie sich, während sie den gedeckten Tisch musterte. Dieser
enthielt wirklich das Ausgezeichnetste der herzoglichen Küche,
doch nur ein Couvert, ein Glas. Es sollte wohl für
mehrere Tage reichen.
Trotzdem die Speisen gar einladend ausschauten, ver—
mochte Elsa keinen Bissen zu sich zu nehmen. Dafür em—
pfand sie jetzt eine Müdigkeit, an die sie bisheran in ihrer
Aufregung nicht gedacht. Sie durfte sich, wenn auch immer
noch Gefangene, doch sicher wähnen, und nunmehr nur ihrem
Verlangen nach Ruhe folgend, warf sie sich halb ausgekleidet
in die weichen Seidendecken des Lagers, um zu schlafen.
Und der Schalf kam, küßte mitleidig die Augenlider der
Armen und führte sie hinweg von dem Ort, wo sie in
wenigen Augenblicken so viel erduldet.
Elsa träumte.
Was ihre Seele in den letzten Tagen am meisten be—
wegt und beschäftigt, woran sie sich mit aller Glut ihres
leidenschaftlichen Temperaments geklammert hatte, das sah
sie nun verwirklicht, doch auch seine furchtbaren Folgen. Es
war nur ein Traum, der jedoch der entsetzlichen Wahrheit
nicht entbehren sollte.
In einer fremden Stadt von Palästen gebildet, mit dem
herrlichsten Gärten geschmückt, unermeßlich groß und von
einer zahllosen bunten Menge bevölkert, erblickte sie sich an
            
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