Full text : Der Karlsberg

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Siebentes Kapitel.

Eine geheimnisvolle Blutthat.

Eine lange Weile hatte die arme Elsa allein in ihrer
schmerzlichen Lage in dem Papageien-Salon zubringen müs—
sen. Die seidenen Stricke schnitten scharff in Hände und
Füße ein und verursachten den zarten Gliedern ein Weh.
das im Verein mit der Unbeweglichkeit, wozu die Liegende
berdammt war, bald zu einer wahren Marter wurde, die
den Augen des unglücklichen Geschöpfes Thränen des
Schmerzes entpreßte.
Welch' ein Unterschied, noch vor einer Stunde und jetzt!
Damals an der Seite des Liebsten, in höchstem Glück des
Lebens schwelgend und jetzt, auf derselben Stelle, ge—
fesselt, von Schmerz gefoltert und wohl noch Entsetzlicherem
entgegensehend. O, der Gedanke war nicht zu ertragen, er
mußte wahnsinnig machen. Die Zähne preßte die Aermste
zusammen, doch schlugen sie bald klappernd aufeinander,
keuchende Töne rasenden Schmerzes entrangen sich den
zuckenden Lippen und immer blieb es stille um sie her,
keine Linderung, keine Hilfe! Bald mußten ihr die Sinne
oergehen, die nicht mehr zu ertragende Marter eine
Ohnmacht herbeiführen, die wohl der Verlobte des Todes
sein konnte.
Doch nein, so leicht follte ihre Strafe, ihr Ende nicht
sein, die Arme war zu Furchtbarerem bestimmt.
Die Thüre des Salons öffnete sich und zwei Bediente
traten ein.
Elsa, deren Blicke bereits umschleiert waren, sah sie, er—
kannte die Näherkommenden. Es waren Leute, die vor
Stunden noch sich vor ihr in den Staub gebückt. Sie
wollte zu ihnen reden, sie um Hilfe, wenn auch nur für
ziuen Augenblick anflehen, doch sie vermochte es nicht. Da—
für entwand sich ihrer ringenden Brust ein Seufzer, von
erlösender Freude durchzittert: die beiden Diener hatten
zegonnen, sie von ihren Banden zu befreien.
Tie Seidenstricke fielen, doch noch vermochte Elsa nicht
Arme und Füße zu rühren, wenn auch das Gefühl eines
            
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