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nes Kindes, das mein Alles auf dieser Welt gewesen und
das man mir lebendig begraben!“
Auf's Neue begann der alte Mann bitterlich zu weinen,
Henry, der sich nicht mehr halten konnte, sprang an der
Bank empor und lief verzweiselnd umher.
„Haltet ein, Vater! “rief er. „Ich kann Euer Jammery
nicht mehr mit anhören. Ich gelobe es Euch, Ihr sollt
Louise wiedersehen, deren Herz sich gewiß eben so sehr nach
Euch sehnt, die man nur mit Gewalt in ihrem Kerker zurück
hält. Ihr sollt sie wiedersehen — oder üch will nicht leben.
Nur beruhigt Euch — hört auf mit diesen Klageworten
und Tönen, die mir das Herz zerreißen!“
Dabei war er, sich nur von seiner augenblicklichen Auf—
regung leiten lassend, auf die Klosterpsorte zugeeilt zind
hatte den schweren Klopfer mehrmals mit aller Gewalt
vwider die Bohlen fallen lassen, daß es weit durch den vor⸗
deren Teil des Gebäudes hallte.
Da begann die Glocke der Klosterkirche in einzelnen,
langsam verklingenden Tönen den Abendsegen zu läuten,
zugleich öffnete sich ein kleines Schieberpförtchen in der Pforte
und das Gesicht eines Knechtes erschien hinter dem Kreuz—
gitter mit der Frage, wer noch so spät und so laut poche
und was sein Begehr sei.
„Einlaß!“ rief Henry. „Mit Eurer Aebtissin muß ich
reden!“
„Zu spät für heute, kommt morgen wieder,“ lautete die
sehr ruhig gegebene Antwort des Mannes. Das Fensterchen
schloß sich wieder, doch wurde nun das rauhe Bellen
mehrerer Hunde in dem nahen Klosterhof vernehmlich.
Henry zog sich von der Pforte zurück. Mit drohendem
Blick und erhobener Faust rief er noch:
„Auf morgen denn! Einmal am Tage wird Eure ßPforte
vohl offen sein.“
Daun kehrtte er zu dem Vater, der während dem nuf—
gestanden war, zurück, umfaßte ihn sanft und sagte:
„Kommt, Vaͤter, ich geleite Euch nach Hause, denn ich
muß fort, um morgen wieder bei Euch sein zu können.“
„Keine Freude soll mir mehr werden auf dieser Welt,“
seufzte der alte Dümmler, indem er sich langsam von seinem
Sohne davon führen ließ. „Kaum habe ich Dich wieder
gefünden, so drängt es Dich auch schon wieder fort.“
„Ich muß, Vater!“ flüsterte ihm Henry zu. „Ich
komme aus Frankreich und das Ziel meines Rittes war
der Karlsberg — doch nicht sein fluchwürdiger Herr. Daß
ich Euch hier fand, war nur ein Zufall, den ich als den aller—