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„Vater!“ rief es plötzlich aus der Ferne, mit einem
Ton, den Freude und Schmerz durchzitterten, und jäh hob
der alte Mann den Kopf empor und starrte lin der Richtung
von wo der Ruf erklungen.
Konnte er die Gestalt, welche sich ihm in raschem Lauf
näherte, nicht erkennen, so hatte er dafür die Stimme er—
kaunnt. Den Stock fallen lassend, breitete er beide Arme aus.
„Henry!“ klang es zitternd, und an der Brust des
Vaters lag der Sohn, ihn küssend, an sich pressend und seine
Thränen mit denen des alten, so hart geprüften Mannes
vereinigend.
Nach einer Weile, als die Aufregung der Beiden sich in
Etwas gelegt und ein Reden gestattete, flüsterte Henry dem
Vater, den er noch immer umfangen hielt, zu:
„Ich weiß Alles, kenne das entsetzliche Weh, welches
man Eurem Herzen angethan. Doch Mut, Vater, es wird
anders werden, ich löse Louise aus den Banden, in die nur
Lug und Trug sie geschlagen, und führe sie zurück in Eure
Arme.“
Der alte Dümmler schüttelte langsam den Kopf.
„Ich habe keine Hoffnung mehr — keine!“ sagte ker fast
tonlos. „Selbst wenn Louise zurückkehrte, wäre sie mir
verloren, denn nur der eigene Wille kann es sein, der das
Kind fern von dem Vater hält. Auch habe äch versucht, mich
mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß sie — für
ewig dort in dem Hause weilen soll. Nur sehen möchte äch
sie! nur noch einmal sehen, bevor mein Augenlicht für
immer erlischt. Darum flehe, bettle ich, tagtäglich und
immer vergebens!“
„O, es ist entsetzlich, kaum zu glauben!“ rief Henry in—
grimmig und die Hände ringend.
„Du glaubst das Weh zu kennen, welches man meinem
Herzen angethan?“ fuhr der alte Dümmler fort. „O, wie
täuschest Du Dich, mein Sohn! — Was gleicht wohl dem
Schmerz, den das Herz des Vaters empfindet, der sein Kind
als tot beweinen muß, während es noch lebt! ihm ganz
nahe lebt? wer kann seine Größe ermessen, der micht in
gleicher Lage von ihm gefoltert wurde? Dort ist sie — dort.
vielleicht keine hundert Schritt von mir entfernt und doch
bis in die Ewigkeit von mir getrennt. O, wäre ich ttot und
läge auf der Bahre, dann käme sie vielleicht, bevor man
mich einscharrte und ihr lieber Blick träfe mit einer Thräne
das erstarrte Antlitz des Vaters! — Giebt es ein FJen—
seits — ich würde ihn empfinden, diesen letzten Blick mei—