Full text : Der Karlsberg

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und nach langem Harren war ihm die Antwort geworden:
es sei für heute zu spät, er solle morgen wiederkommen.“
„Und am andern Tage?“
„Abermals vergebliche Gänge. Dein Vater hat seit jener
Stunde Louise nicht mehr wiedecgesehen; und doch vergeht
kein Tag, wo er nicht vom Morgen bis zum Abend vor
dem Kloster steht, einem Bettler gleich, und nach dem An—
blick seines Kindes jammert.“
„Du hast richtig geschlossen, in ihren heiligen Netzen
wollen sie das unerfahrene Mädchen fangen.“
„Was mag Louise während dieser langen Zeit erduldet
— D
sinnig darüber werden!“
„Entweder halten die Nonnen sie mit Gewalt zurück,
oder — sie haben der Aermsten die schwärzesten Lügen
hinterbracht. Wir werden es erfahren. Führe mich vorerst
zu meinem Vater, dann suche ich Louise auf. Lasse mein
Pferd wieder satteln, ich muß noch in der Nacht nach dem
Karlsberg, doch morgen kehre ich zurück und befreie sie uns,
wenn es sein muß, mit Gewalt.“
„Dein Pferd ist zu sehr ermüdet, um einen neuen und
so anstrengenden Ritt aushalten zu können, bis nach Gräfiu—
thal wird es wohl noch gehen. Ich werde es benutzen und
Dir dafür das meinige geben.“
So sprach Altheim und erteilte seine Befehle. In kur—
zer Zeit waren die Pferde gesattelt und beide Männer
ritten davon, dem Dörfchen Bliesbolgen und dem stillen
Thale zu, in dem das Nonnenkloster Gräfinthal lag.
Schon schimmerten in der Ferne die weißen Kloster—
mauern durch die mächtigen Linden den beiden Reitern
entgegen. Da wurde plötzlich der laute Freudenruf einer
mächtigen Stimme hörbar.
Vor dem kleinen Häuschen zur Seite des Weges stand
die gewaltige Gestalt des Limburgers, der Herrn von Alt—
heim erkannt hatte.
Wenn der junge Tümmler dem ehemaligen herzoglichen
Jäger auch nicht fremd geblieben, so hätte er ihn doch
jetzt in dem ausländischen Habit und bei der zweifelhaften
Beleuchtung des Abends nicht wieder erkennen können. Da—
für begrüßte Henry den treuen Menschen mit einem frohen
Jägergeschrei und, abgesessen, auch mit einem warmen Druck
seiner Hand. Die Bekanntschaft war bald ernceuert und auf
die Frage Henry's nach seinem Vater erwiderte der Jäger
mit rauhem Ton, der wohl seine innere Erregtheit ver—
bergen sollte:
            
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