Full text : Der Karlsberg

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„Vorerst jedoch erzähle mir Alles, was geschehen und
wie das Unglück gekommen, genau und der Reihe nach,
wenn Dir dies möglich sein sollte.“
Noch eine kurze Pause und Hans von Altheim, dessen
Herz ebenso sehr von einer neuen hoffenden Freude, wie
von einem tiefen Weh erfüllt war, hatte sich so weit ge—
sjammelt, daß er in seinem Berichte sortfahren konnte:
„Anfänglich erschien Louise jedesmal in dem Parloir,
wenn der Vater sie zu sehen und zu sprechen wünschte, und
stets kehrte dieser nach solchen Unterredungen mit seinem
Kinde still zufrieden nach Hause zurück Louise konnte ihm
nicht genug erzählen, wie glücklich sie sich in dem Kloster
fühle, wie die Schwestern, die Frau Aebtisin es so gut mit
ihr meinten; wie Erstere sie liebevoll unterrichteten, wäh—
rend die hochehrwürdige Frau ihr die seltenen und heiligen
Schätze ihrer so herrlich geschmückten Kirche zeigte, und
bon den frommen Nonnen erzählte, die ein Glück in dem
stillen Kloster gefunden, das ihnen die Welt nimmer hätte
geben können. Bei solchen Berichten schüttelte der ehr—
liche Limburger stets zweifelnd das Haupt und machte ben
alten Mann auf die Folgen einer solchen gefährlichen Um—
strickung des Herzens und des Geistes des Mädchens auf—
merksam, das sich ja immer als tief religiös gezeigt.“
„Der Mann hatte Recht! Warum hörte mein Vater
nicht auf ihn?“
„Dein Vater glaubte an die Wahrheit des ihm gegebenen
Versprechens und ganz besonders noch baute er auf die
innige Liebe seines Kindes. Doch er täuschte sich, nur zu
rasch sollte er es erfahren!“
„Weiter!“
„Ich traf Deinen Vater und den Limburger — etwa
eine Woche nach ihrer Ankunft in Gräfinthal und mein
Glück über dies unerwartete, doch so sehnlich erwünschte
Wiedersehen wurde schmerzlich getrübt durch die Berichte,
welche ich, besonders von Limburger, über Louise empfing.
Noch am selben Abend ging der Vater in das Kloster, um
sein Kind zu sehen, ihm zu sagen, daß ich gekommen und
ganz in der Nähe wohne. Ich wartete in dem Hause seiner
Rückkehr. Endlich kam er, doch welche Veränderung war
während der kurzen Zeit seiner Abwesenheit mit dem alten
Manne vorgegangen! Gebückt, mit nassen Augen betrat
er, von dem Limburger geleitet, das Haus. Er hatte Louise
nicht gesehen, zum ersten Male war er abgewiesen worden.
Seiner Schwester hatte er natürlich meine Ankunft — wohl
auch meine redlichen Absichten, die er kannte, mitgeteilt,
            
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