Full text : Der Karlsberg

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Gesinnung die blau-weiß-rote Kokarde, zur Schau tragend,
trotz herzoglichen Bauern und Schergen anderer kleinen
Gewalthaber. Denn überall begegnete er Sympathien, die
sich mehr oder minder schüchtern, hier und dort auch frei
und keck ihm kundgaben. Wo es ihm gestattet war, kam er
ihnen entgegen, denn wo er Halt machte, einkehrte, ver—
sammelte sein Wort bald die Insassen der Herberge um
sich, die ihm zulauschten, als ob er ein Evangelium kün—
dete, ein Evangelium der Freiheit, das den Horchenden eine
neue Zeit, ein neues glückliches Leben verheißen wollte.
Doch nirgends hielt er sich lange auf, sein Ritt hatte ein
Ziel, das er wohl rasch zu erreichen suchte. Nur als ex um
Morgen in dem Gebirgsdorf Fischbach eingekehrt, wo ein
Weg sich nördlich nach Pirmasens und Homburg abzweigte,
da rastete er längere Weile, denn er schien nicht recht einig
mit sich zu sein, welche Straße er ziehen sollte, nördlich,
oder weiter durch den dunklen Faunwald gen Westen. End—
lich entschied er sich für letzteren Weg und trabte weiter.
Nach einem beschwerlichen Ritt durch die gebirgige
Gegend mit ihren schlechten Straßen langte Henry am spaͤteyn
Nachmittage in dem Dorfe Bliesmengen, an der deutscheloth—
ringischen Grenze an.
Nach kurzem Fragen trabte er auf ein Gehöft zu, das
sich vorteilhaft von den übrigen Häusern des Ortes abhob.
Es lag außerhalb desselben und an dem Fuß der Höhe, auf
welcher vor Zeiten die stolze Burg der reichen Herrn von
Mengen gestanden hatte. Tas Gehöft gehörte dem Ab—
kömmling einer Seitenlinie des ausgestorbenen Geschlechts:
es bestand aus einem mäßig großen Herrenhause, das mit
seinen weiß getünchten Mauern freundlich durch die noch
immer grünen Bäumen lugte, und den zur Landwirtschaft
nötigen Nebengebäuden an Ställen, Scheunen und Schup—
pen. Einem Knechte übergab er die Zügel seines Pferdes
und schritt dann auf das Haus zu, unter dessen Eingang
bereits der Eigentümer, ein junger Mann in einfacher, doch
mehr städtischer als ländlicher Tracht erschienen war.
„Henry — Willkommen!“ rief dieser plötzlich mit freu—
digem Ton, dem Ankommenden entgegeneilend und beide
Hände zum Gruße hinhaltend.
„Herr — von Altheim,“ entgegnete Dümmler, keines—
wegs in gleich herzlicher Weise, „ich freue mich, daß ich Sie
daheim finde und hoffe auch sonst keinen vergeblichen Ritt
gemacht zu haben. Sie erinnern sich wohl noch unseres
Abkommens vor ungefähr zwei Monaten?“
            
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