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Sechstes Kapitel.
In Gräfinthal.
Zu derselben Zeit, als Destner auf der Pirmasenser
Straße durch das Annweiler Thal nach Landau fuhr, ritt
ein Reiter von der herzoglich-zweibrückischen Oberamtsstadt
Bergzabern aus der westlichen Grenze der Pfalz zu. Er
trug ein Habit von fremdartigem Schnitt, einen Rock mit
zugespitzten Schößen und großen Klappen auf der Brust;
die langen Lederhosen steckten in Stiefeln und auf dem frei
herabhängenden ungepuderten Haar saß ein hoher Hut mit
hreiter Krämpe, den ein schwarzes Band mit großer Schnalle
und zur Seite noch eine kleine blau-weiß-rote Kokarde
zierte.
Das Gesicht blickte trotzig, fast drohend in die Ferne
und die ganze Haltung des Mannes hatte etwas Keckes,
Selbstbewußtes, das den Bauern, an welchen er vorüber
trabte, ganz ungewöhnlich imponieren mußte. Allerwärts
auf den Feldern, wie in den Gassen der Dörfer, in den
herbergen, wurde er neugierig doch nicht unfreundlich ange—
aunt. Tas Aeußere des Reiters, besonders die Kokarde,
zeigten nur zu deutlich, daß er aus Frankreich komme, aus
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soben, um frei und glücklich zu werden. In dem ersten
Augenblick hätte man in dem ausländischen Reisenden den
ehemaligen Förster von Jägersburg, Henry Dümmler, nicht
wieder erkannt, so sehr hatten die paar Monate und die
sKleidung ihn verändert. Doch war diese Umwandlung wohl
oor allen Dingen durch seinen Aufenthalt in Paris, die be—
rauschende Luft der Revolution und der Freiheit, welche
er dort geatmet, zu Wege gebracht worden.
Aus dem jungen Manne mit dem wilden grimmen
Haß gegen die Despoten seines Vaterlandes war ein selbst—
bewußter energischer Revolutionär geworden, der bereits
mit den Ultras der Pariser Bewegung für Republik, Frei—
heit, Gleichheit und Brüderlichkeit des Volkes schwärmte.
Seine Augen leuchteten, als er durch die Berge seiner Hei—
mat, der schönen armen Pfalz ritt, offen das Zeichen seiner