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Keine Stunde war vergangen, da stand der Scharfrichter
der Stadt Landau in dem Herrenzimmer des „Melac“ vor
Destner, dem Abgesand!en des Herzogs von Zweibrücken.
Meister Joslin war ein Mann von etwa fünfzig Jah—
ren, nicht allzu groß, doch von breitschulteriger Gestalt, mit
einem wahren Stiernacken, der eine ganz ungewöhnliche
Kraft kündete. Das glattrasierte Gesicht zeigte ernste, scharf
markierte Züge, unbeweglich blieben sie, als ob sir von
Eisen gegofsen wären. Auch die Augen hielt er halb ge—
schlossen, doch blickten sie dafür um so durchdringender den
Mann an, der ihn in seinem Briefe zu einer Unter—
redung in dem „Melac“ nach Queichheim beschieden.
Destner hatte das zweite Glas gefüllt, das er nun
seinem unheimlichen Cast entgegenschob. Dann sprach er:
„Trinkt Meister, erfrischt Euch vorerst, dann setzt Euch.
Ich habe mit Euch zu reden.“
Ohne ein Wort zu erwidern, ergriff Meister Joslin das
Glas, leerte es bis zum letzten Tropfen. Dann setzte er sich
dem ihm gänzlich Unbekannten gegenüber, und den Blick
wieder wie vorhin auf dessen Antlitz gerichtet, sagte er
sun:
„Ich höre.“
„Man bedarf Eurer Dienste,“ begann Destner nach
einer kleinen Pause mit leiser unterdrückter Stimme die
seltsame Unterredung.
„Ich bin Tierarzt und — Nachrichter,“ warf der An—
dere ruhig ein.
„Als Nachrichter.“
„Als solcher kann nur das Gericht nach gefälltem Ur—
ceil über mich verfügen.“
„Ein Gericht, wie es für den vorliegenden Fall kein
höheres giebt, hat gesprochen, das Urteil ist gefällt und
Ihr sollt es vollziehen.“
„So nennt mir Euren Auftraggeber, damit ich beurteilen
kann, ob ich Euch gehorchen darf.“
„Dies zu hhun, steht mir nicht zu. Das Urteil ist,
wenn auch ein richterliches und höchst gerech—
tes, doch zugleich auch ein geheimes, und seine Ausführung
muß ein Geheimnis bleiben — für immer.“
„Dann —“
„Halt da!“ rief Destner mit befehlendem Ton. „Bevor
Ihr antwortet, laßt mich zu Ende reden. Seht Ihr dort
das Kruzifix an der Wand mit dem geheiligten Bilde des
Erlösers und den geweihten Palmzweigen? Langt es herab,
die Linke lege ich darauf, erhebe die Rechte zum Schwure