Full text : Der Karlsberg

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rissen und zwei Männer erschienen auf ihrer Schwelle,
von denen der eine einen Hirschfänger in der Hand hielt.
Was nun in dem Papagei-Salon geschah, war das
Werk einiger Augenblicke.
„Der Herzog!“ rief Elsa mit einem jähen entsetzensvoll
klingenden Aufschrei, indem sie sich aus den Armen Schar—
fenecks zu winden suchte, der starr und leblos geworden zu
sein schien.
„Eine Waffe! — eine Waffe!“ kreischte es an der Thüre
mit dem Tone eines Wahnsinnigen, zugleich entriß der Her—
zog der Hand Destners den noch mit Blut besudelten Hirsch—
fänger und stürzte wie toll auf Scharfeneck zu, dem wohl
als Räuber seines Glücks und Schänder seiner Ehre sein
erster Zorn galt.
Doch noch hatte der Wütende Jenen nicht erreicht,
als Elßa von dem Divan aufgesprungen war und sich
mit einem schrillen Aufschrei zwischen die beiden Männer
geworfen.
Im selben Augenblick ertönte ein lauter Schmerzens—
schrei. Der Herzog taumelte zurück und aus seiner Seite
rieselte Blut über den hellen seidenen Schlafrock
Elsa, in ihrer Aufregung wohl nicht mehr Herrin ihrer
selbst, hatte einen verborgen gehaltenen Dolch hervor—
gezogen und blindlings dem Anstürmenden entgegen ge—
soßen.
„Mord! Mord! — Hilfe!“ schrie Destner, der seinen
Herrn in seinen Armen aufgefangen hatte und zu einem
Sessel geleitete.
Schon stürmten zwei Frauen laut aufkreischend in den
Salon und auf den verwundeten Herzog zu. Von diesem
ließ Destner jetzt ab und warf sich auf Elsa, der er den
Dolch mit leichter Mühe entwand.
Scharfeneck war verschwunden.
Dafür eilte jetzt von der andern Seite schreiend und
jammernd Mademoiselle Melanie herbei und versuchte Frau
bon Esebeck und Mutter Agnes, welche um den Herzog be—
schäftigt waren, zu helfen.
Destner hatte mit raschem Griff zwei schwere Seiden—
kordeln mit ihren Quasten von der nächsten Portiere abge—
rissen und begann damit Elsa's Hände auf dem Rücken
fesizubinden. Diese hatte nach ihrer raschen blutigen That
einen Augenblick wie betäubt dagestanden, als die Besinnung,
die wilde Energie ihr wiedergekehrt, da war es zu einer
GBegenwehr zu spät. Unbarmherzig fühlte sie ihre Hände
            
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