— 5317
„Ich sprach die Wahrheit, mein Leben zum Pfande!“
„Beweise, Destner, Beweise! — Doch hüte Dich! Kommst
Du mir nur mit Worten, so glaube ich Dir nicht und Dein
ꝛlendes Leben allein dürfte nicht genügen, den Schrecken zu
sühnen, den Du mir verursacht hast.“
Der Tiger war erwacht. Mit einer tiefen, surchterwecken—
den Wut hatte der Herzog die letzten Worte gesprochen, doch
Destner fühlte sich nicht von ihnen berührt. Wie früher ent—
gegnete er:
„Der nächste Beweis muß zur Hand liegen. Die Ver—
hindungsthüre der beiden Appartements wird von jen—
seits verschlossen sein.“
„Voran!“ keuchte der Herzog, und schritt bereits cuf
den Ausgang des Salons in der Richtung nach dem Appar—
tement Elsa's zu.
„Nur bitte ich um Ruhe und Vorsicht, Durchlaucht!
Die Verräter könnten durch ein Geräusch an der Thüre
gewarnt werden, und wir müssen sie heute noch auf frischer
That ertappen.“
Dabei war er dem Herzog vorangeeilt und öffnete so
geräuschlos als möglich die Thüren der verschiedenen Säle,
welche nur hier und da durch schwache, von außen ein-—
ringende Lichtstreifen der Lampen im Hofe erhellt wurden.
Jetzt waren sie an der letzten Thüre, welche die beiden
Appartements verband, angelangt. Destner trat mit einem
fanatischen Lächeln zurück, um den Herzog die Probe machen
zu lassen.
se ein schleichendes Raubtier näherte sich dieser der
berhängnisvollen Thüre. Ein leiser unhörbarer Druck auf
die Klinke erfolgte, doch das Schloß öffnete sich micht. Die
Thüre war von innen verriegelt.
„Destner!“ keuchte der Herzog mit dem Tone eines Ohn⸗
nächtigen. Der Forstmeister sprang hinzu, umfaßte seinen
Herrn und wollte ihn nach einem Sitz geleiten, doch der
Herzog winkte ihm ab und deutete auf das zweite Gemach.
Hier, und nachdem Destner die Thüre geschlossen, ließ er
ch än einen Sessel fallen und blieb zusammen gekauert,
tumm und unbeweglich darin liegen, während Destner
gleichsam als Wache sich neben ihm hielt. Ein Gefühl
war in das Herz des gewaltthätigen Mannes eingezogen,
wie das eines Siegers über seine furchtbarsten Feinde, und
doch war es nur ein Vorgeschmack des Triumphes, dem er
entgegen sehen durfte.
Endlich, nach einer langen Weile regte sich der
Herzog.