Full text : Der Karlsberg

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„Wir grüßen Dich, wackerer Waidmann, in Deinem
grünen Reich! Jetzt zeige Dich als hirschgerechter Jäger
und walte slugs Deines Amtes, damit unsere heutige Jagd
bald und fröhlich ihren Anfang nehmen kann!“
Der Förster hatte bereits eine Anzahl kleiner grüner
Eichenzweige gebrochen. Mit einem Waidmanns-Heil!
übergab er den ersten Zweig dem Herzoge, der ihn la—
chend als seltene Zierde, die erst verdient werden müsse,
an seinem Hut besestigte. Dann reichte Dümmler einen
Zweiten der Gräfin von Forbach, welche mit einer französi—
schen Phrase recht herablafsend dankte. Bei dem Herzog
hielten auf ihren prächtigen Pferden die beiden jungen
Grafen von Forbach und einige Schritte hinter diesen die
Prinzen Karl und Max.
Ersterer blickte finster drein, wodurch die harten Züge
des etwa 25 Jahre alten Herrn etwas Abstoßendes er—
hielten, während der jüngere Prinz Max heiter lächelte
und vergnügt in die Runde blickte. Tümmler, der die fürst—
lichen Personen und Verhältnisse wohl kannte, wollte mit
dem dritten Zweige sich dem Prinzen Karl nähern. Tieser
bemerkte es und sein Antlitz heiterte sich für einen Augen—
blick sichtlich auf. Ueberrascht, doch nicht unfreundlich
schaute er den kühnen Jäger an, der unbekümmert um hö—
fische Liebedienerei, die ihm, dem Prinzen, im Grunde, zu—
kommende Ehr erweisen wollte.
Doch der Herzog deutete mit finsterem Blick befehlend
auf seine natürlichen Söhne, die Grafen von Forbach.
„Wie Eure Durchlaucht befehlen,“ erwiderte der Förster
ruhig und überreichte den jungen Herren, dann erst dem
Prinzen Karl seine Zweige, wobei der Förster Dümmler
sich vor diesem jedoch tief und ehrerbietig verneigte.
Die beiden Grafen waren sichtlich verlegen über den
Vorrang, den der Herzog, ihr Vater, ihnen vor den legi—
timen Prinzen eingeraͤumt, und erst nachdem diese ihre
Zweige auf die Hüte befestigt, thaten sie bescheiden ein
Gleiches.
Prinz Karl hatte bei dem deutlichen Befehl seines Oheims
spöttisch gelächelt, doch ein Blick voll Verachtung und Haß
— 00——
volles Verneigen des Hauptes die Gabe des Försters, wäh—
rend er diesem scharf und auffallend freundlich in das ernste
Antlitz schaute.
„Ich werde es Dir nicht vergessen,“ schien sein Mund
dabei zu sagen.
Hierauf ließ er sein Roß sich hoch aufbäumen, wodurch
die ganze fürstliche Reitergruppe in Unruhe kam.
            
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