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Drittes Kapitel.
Zwei Verschwörungen.
Geheimrat von Esebeck, der gehorsame und im Beschaf—
fen des Geldes ebenso gewandte als wenig ängstliche Diener
seines durchlauchtigsten Herrn, bewohnte in demselben Flü—
gel, wo der Forstmeister Destner eine Wohnung fast unter
dem Tache inne hatte, einen großen Teil der Parterreräume.
Hier befanden sich seine Privatzimmer, dann die Kanzleien,
die verschiedenen Bureaus, während über diesen Räumen,
eine Treppe hoch, das eigentliche Appartement lag, wel—
ches zeitweise von der gnädigen Frau von Esebeck bewohnt
wurde — wenn dieselbe nicht ein anderes, viel prächtigeres
im Schlosse inne hatte oder es nicht vorzog, sich schmollend
in das Schlößchen zu Homburg zurückzuziehen. Ein Aufent—
halt an letzterem Orte war jedoch selten von langer Dauer.
bald schenkte ste dem Karlsberg wieder die Ehre ihrer
Anwesenheit, anfänglich unbemerkt, in kurzen Besuchen des
Appartements ihres Gatten, bis sie endlich wieder vollständig
dort einzog und nach und nach sich auch an den Vergnüg—
ungen des Hofes beteiligte, ohne welche die stolze, lebens—
sustige Frau nun einmal nicht existieren konnte. Schon
einige Male hatte ein solcher Um- oder Rundzug statt—
gefunden, und auch jetzt war Frau Juliane, nachdem sie das
ihr offerierte Appartement dritten Ranges ausgeschlagen,
wieder an der vorletzten Station, in ihrer eigenen Familien—
wohnung angelangt.
Fast heimlich war diesmal der Umzug von Homburqg
nach dem Schlosse bewerktstelligt worden, und noch hatte die
Esebeck sich keinem der Bewohner des Karlsbergs öffentlich
gezeigt, dafür aber heimlich mit Verschiedenen um so eifriger
verkehrt. Ihr Erscheinen im Schiosse wäre gewiß sehr auf—
gefallen, denn ihre Rivalin stand im Augenblicke ja in
höchster Gunst, und nur eines Wortes von ihr hätte es
bedurft, um die gefährliche Schöne für immer und gründlich
zu beseitigen.
Dies mußte Frau von Esebeck wissen, und dennoch war
sie auf den Karlsberg gezogen. Sie mußte demnach zu dieser