Full text : Der Karlsberg

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nisse und Vorfälle besprochen wurden, wo alle Mitglieder
dieser eigentümlichen bunten Residenz-Kolonie auf dem ein—
samen Berge sich ihre Verhaltungsmaßregeln für den lau—
fenden Tag oder die nächste Zukunst zu holen wußten.
Destner war bisheran ein höchst bedeutender, wenn nicht
der bedeutendste Bestandteil dieser höflichen Bevölkerung des
Karlsbergs oeil de boeuf gewesen; erschien er nur am Ein—
gang desselben, in der Vorhalle der Garde, so stürzte Alles
mit den eifrigsten Beteuerungen treuester, ewiger Er—
gebenheit auf den Günstling des allmächtigen Herrn des
Ortes zu. Heute mußte er vorüber schreiten, das Herz von
Zorn erfüllt und auf seinen Lippen ein Lächeln. Er konnte
durch die weit ofsenen Thüren in die hellerleuchtete Räume
sehen und wie die darin Weilenden bei seinem Aublick er—
schrocken zusammenfuhren, sich rasch und scheu in die Ecken
drückten, um ihm nicht zu begegnen. Er war nicht allein
gestürzt, sondern auch schon allseitig aufgegeben, gerichtet.
„Feige Brut!“ murmelte er ingrimmig zwischen den
Zähnen. „Nur noch für einen Tag möchte ich sein, was ich
war, um Euch meine Verachtung fuͤhlen zu lassen.“
Toch er mußte seinen Haß, seinen Zorn in seinem Her—
zen verschließen, denn er näherte sich immer mehr der ver—
hängnisvollen Pforte, durch welche er dringen wollte, um
sich einen Hoffnungsschimmer zu erringen oder die Gewiß—
—V
Auch das Appartement, welches im Augenblicke von
Elsabewohnt wurde, hatte der Vorhallen zwei, durch welche
der Besucher mußte, ehe er in das Heiligtum selbst treten
konnte. Früher, noch zur Zeit der Frau von Esebeck, hatten
die Wächter aus einigen Gardisten und mehreren Lakaien be—
standen, welche in dem ersten Vorzimmer wachten oder her⸗
umlungerten, während in dem zweiten Saale Offiziere weil—
ten, die Diejenigen, welche gekommen, der Göttin des Ortes
ihre Huldigungen darzubringen, entweder zu melden oder
abzuweisen hatten.
Unter Elsa's Regime war dies geändert worden. Kaum
war sie einige Tage Herrin der reichen Wohnung gewesen,
als sie sich von dem Herzog eine andere Hausordnung und
Wache erbat. Wohl mochte sie sich des langen Grenadiers
erinnern und der Verzückung, in die ihr Anblick den Riesen
bersetzt, genug, sie erbat sich diesen stillen Verehrer ihrer
Reize als Portier und meinte lächelnd, daß er allein genügen
würde, ihr Paradies zu bewachen und zu schützen.
So war denn Jonas Wambach aus der Kaserne in
das Schloß versetzt worden und vom Grenadier zum Por—
            
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