Full text : Der Karlsberg

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er dann einen letzten verzweifelten Versuch, bei Elsa zu
machen gedachte.
Sobald er wieder ruhiger geworden, legte er sich sein
Gespräch mit der so übermütig gewordenen Schönen zu—
recht, und langsam kehrte ein Hofsnungsschimmer ihm zuruͤck,
den er festzuhalten suchte und trotz seines inneren Grimmes
mit Freuden begrüßte.
So vergingen die Stunden dem Einsamen, Brütenden,
und die Nacht kam endlich heran. Die Lichter, welche die
Säle durchwanderten, deren Fenster Destner von feiner
dunklen Stube aus überblicken konnte, sagten ihm, daß der
Herzog sich in sein Appartement verfügt und Elsa sich in
das ihrige zurückgezogen. Jetzt war es an der Zeit.
Mit aller Gewalt bannte er den letzten Zug von Zorn
und Haß aus seinem Antlitz, prägte diesem dafür ein unter⸗
würfiges Lächeln auf, dann verließ er sein Zimmer, um den
schweren, doch für ihn so wichtigen Gang nach dem Apparte⸗
ment der Favoritin anzutreten.
Elsa bewohnte die neu und auf's Reichste geschmückten
Zimmer neben den Gemächern des Herzogs, welche Frau
von Esebeck hatte verlassen müssen. Beide Appartements,
die geräumigsten und prächtigsten des Schlosses, standen in
Verbindung mit einander, doch hatte jedes einen separaten
Haupteingang. Das des Herzogs lag der großen Treppe
zunächst und bestand aus zwei Vorsälen, von denen der
eine genau nach dem Muster des veil de boeuf des Ver—
sailler Schlosses gebaut und ausgestattet worden war. In
dem ersten befand sich die Wache der Leibgarde, welche Tag
und Nacht'ihren Dienst versah und alle vierundzwanzig
Stunden erneuert wurde; in dem zweiten, dem Karlsberger
oeil de boeuf, weilten die Herren Offiziere, die diensthaben—
den Kammerherren und wer sonst von dem Hofe in der
Nähe des Fürsten sein wollte, um gelegentlich das Glück zu
haben, das Antlitz seiner Durchlaucht zu erblicken oder gar
in die inneren Appartements zugelassen zu werden. Auch
harrten hier die zu einer Audienz Befohlenen. Damit dies
Weilen und Harren in dem deil de boeuf für die Be—
treffenden so angenehm als möglich sei, fand sich ein riesiges
Büffet aufgepflanzt, stets besetzt mit kalten Speisen, Deli—
katessen aller Art, sowie den feinsten Weinen und Li—
queuren. Es war ein recht angenehmer Aufenthalt, einla—
dend zum Genießen und Plaudern, und hatte er, wie wir
gesehen, bedeutende Vorzüge vor seinem französischen Vor—
bilde. Von den Kavalieren des Karlsbergs wurde er so viel
als nur möglich benutzt, und hier war es, wo alle Verhält—
            
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