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Endlich schien die Ruhe ihm wiederzukehren, und sie
behielt nun auch die Oberhand über den früheren maßlosen,
wilden Zorn. Jetzt vermochte er die vorhin in ihm auf—
getauchten, doch vor seiner Aufregung rasch entflohenen
Gedanken auf's Neue wachzurufen und zu bannen, und bald
strengte er all' seine Geisteskräfte an, um den Weg zu
finden, den er nun zu gehen habe. Die Herrschaft Elsa's
stand fest, wenn auch nicht für immer, doch für die nächste
Zeit, und die rücksichtslose, undaukbare Favoritin hatte
tausendfach Gelegenheit, ihr Zerstörungswerk an seinen In—
teressen „seinem Veben zu vollenden. Eine Flucht wäre am
sichersten gewesen, doch konnte er fort von hier ohne die
Schätze, welche er sich während der fünfzehn Jahre seines
Glückes gesammelt und hier in seiner Wohnung angehäuft?
Nein, nein! dies war unmöglich. Seine heimlichen Reich—
tümer sollte er aufgeben? lieber sein Leben!
Der Gedanke machte ihn zittern, seine ganze Gestalt
schüttelte sich wie im Fieberfrost und unstät irrten seine
brennenden Augen in dem großen Raume umher, wo in
Schränken und Kommoden die reichen silbernen und golde—
nen Früchte seiner fünszehnjährigen Sparsamkeit oder, bes—
ser, Habsucht und heimlichen Diebereien aufgehäuft lagen.
Er konnte sie wohl bergen vor den Augen der herzog—
lichen Späher, retten, wenn es einmal gänzlich mit ihm
zu Ende gegangen sein sollte. O, daran hatte der kluge
und vorsichtige Forstmeister schon vor vielen Jahren ge—
dacht, damals, als er sich dies entlegene Appartement
im obersten Stockwerk des Schlosses von seinem aller—
gnädigsten Herrn ausgebeten. Doch auch dies Bergen, vor
allen Dingen das Hinausschaffen aus dem Schlosse hatte
seine Schwierigkeit, es war mit der Zeit beinahe zu einer
Unmöglichkeit geworden.
Destner hatte den Vertrauensposten bei dem Herzog
sofort nach dessen unerwartet rasch ersolgten Regierungs—
antritt erhalten; er war dabei gewesen, als man den Plan
des neuen Schlosses entworfen, den ersten Stein zu dem
Bau gelegt und den letzten eingefügt. Vielerlei Verän—
derungen waren während des Bauens selbst vorgenommen
worden, denn die Launen, Anforderungen des Herzogs
an seinen Baumeister Rosche (oder besser Roger), einer in
der Vaubandschen Zeit eingewanderten französischen Ar—
chitektenfamilie entsprossen, waren so bizarr und mannig—
fach gewesen, daß der geschickte Baukünstler ihnen kaum
hatte entsprechen können. Und doch mußte der Wille des
Herrn geschehen und wurde stets, wenn auch auf Kosten
der Einheit des Bauwerks, ausgeführt.