Full text : Der Karlsberg

289 —

Zweites Kapitel.

Destner.

Der Forstmeister war, fast einem Betrunkenen gleich,
auf dem Karlsberg angekommen und sosort in seine eigene
Wohnung geeilt. Die so plötzlich ihn betroffene definitive
Allerhöchste Ungnade hatte wie ein betäubender Schlag
gewirkt, von dem seine starke Natur sich noch nicht zu
erholen vermocht. Wenn er auch Aehnliches gefürchtet, so
war er doch weit davon entfernt gewesen, die Natastropye
so nahe zu glauben, und nun, da sie wirklich eimetrecen,
schmetterte sie ihn gleichsam widerstaudslos darnieder. Doch
dieser entmutigende Zustand hielt nicht an, lasigsam
sammelte er sich, und nach und nach kehrte seine Geistes—
klarheit zurück. In seinen stillen Räumen, die ihn sonst
nur Morgens und Abends gesehen, saß er zusammenge—
kauert in einem Lehnstuhl und brütete über seine Lagf
und was er zu thun habe, nicht, um das Verlorene wieder—
zugewinnen — in diesem Augenblick dünkte ihn solches
eine Unmöglichkeit, ein Wahnsinn — sondern aus dem
Schifsbruch seines Lebens zu retten, was noch zu retten
war. Doch auch solche Gedanken vermochte er nicht fest—
zuhalten und zu verfolgen, denn ein Gefühl loderte immer
mächtiger in ihm auf, bemächtigte sich unwiderstehlich seines
ganzen Seins: der Haß, die Wut über die falsche Kreatur,
die ihm Alles zu danken und mit dem schwärzesten, schänd—
lichsten Undank gelohnt hatte. Seine Aufregung wurde
endlich eine wahrhaft surchtbare, unbezwingliche. Von
seinem Sitz trieb sie ihn empor, mit verzerrien Mienen,
zornglühenden Augen und grimmig aufeinander gebiile—
nen Zähnen durchraste er seine Wohnräume, die Fäuste
geballt, dann Flüche, Verwünschungen gegen Diejenige aus
stoßend, welche er als die Ursache seines Unglückes betrach
ten mußte.
Doch auch dieser neuen Aufregung solgte eine neuef
Ermattung, in seinen Sitz sank er zurück und eine lange
Weile blieb er regungslos, die Hand vor die Augen ge—
schlagen, liegen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.