Full text : Der Karlsberg

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„Ich lasse Dich ein, will gut machen, was ich vor zwei
Monden hier an dieser Stelle gegen Dich verbrochen, doch
mußt Du mir meine Bitte erfuͤllen.“
„Welche? rede! Alles — Alles will ich Dir ge—
währen.“
„Beim Sturm unserer Bastille sprach ich sie Dir aus.
Siehst Tu dort den finsteren, mir so widerwärtigen Men—
schen? — Gieb ihm, wie Deinen Hasen, die Freiheit,
laß ihn laufen, wie sie, damit er mir nicht mehr in den
Weg kommt.“
„Verlange dies nicht von mir, ich sagte Dir es schon,
der Mann hat mir Jahre lang treu gedient.“
„Er hat Dich Jahre lang belogen und betrogen. Er
ist Tir lieber, als Deine Elsa. O, ich sehe es wohl, Du
liebst mich nicht!“
„Rede nicht also, Elsa! mehr, wie Alles, wie mein
Leben liebe ich Dich!“
„Dann beweise es mir. Entferne ihn und ich will Dir
glauben. O, da ist er schon — immer näher kommt er
mir, und ich mag ihn nicht mehr sehen.“
„Sei gut und vernünftig, Elsa, und laß mich zu Tir
ein.“ —

„Nein!“ klang es jetzt mit wildem Trotz. „Jetzt nicht
und nie mehr. Geht Er nicht, dann — dann laufe ich
Dir fort, und zwar auf der Stelle. Ich kenne noch die
Gelegenheit des Ortes und, wie damals, werde ich Dir zu
entkommen wissen.“
Mit diesen Worten war sie bereits am Fenster ver—
schwunden und die Thür der anderen Seite klirrte dem
Herzog hörbar.
„Halt' ein, Elsa, bleibe!“ rief dieser, besiegt von dem
Thun der schlauen Verführerin. „Nach Deinem Willen
soll es geschehen —“
„Ah! wie will ich Dich dafür lieben!“ klang es jetzt
aus dem Wagen heraus, so süß und verlockend, daß das
Blut des Herzogs heißer wallte.
Zugleich flog die Thür auf und der Herzog, im Begriff,
einzusteigen, wandte sich an seinen Obersten, der während
der ganzen Szene mit einem wahrhaft verblüfften Gesicht
neben stinen Pferden gestanden.
„Ueberbringen Sie dem Forstmeister Destner meinen
herzoglichen Befehl,“ sagte er mit einer Stimme, der er
eine gewisse Festigkeit zu geben sich bemühte, „daß er in's
Schloß zurückkehre und in seinem Zimmer bleibe, bis ich
            
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