Full text : Der Karlsberg

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„Elsa, was thust Du?“ klang es wahrhaft entsetzt.
Toch als Antwort lachte die kecke Schelmin lustig und
übermütig auf, klatschte in die Händchen und bewunderte
jubelnd den Flug der Tauben, welche hoch in die Lüfte
stiegen, bald dichte Scharen bildeten, die entweder ihren
Flug fortsetzten oder sich auf den Bäumen in der Runde
niederließen. Es war ein hübsches Schauspiel und fesselte
endlich auch das Auge des Herzogs: dabei wirkte Elsa's
Heiterkeit ansteckend und Scharfeneck war der Erste, der
frisch in ihre Lustigkeit mit einstimmte. Auch Destner lachte,
doch hatte dies Lachen einen ganz anderen Grund: er
glaubte den Herzog erzürnt, entrüstet über das Thun der
kecken Schönen, doch er irrte sich. Elsa's Zauber hatte ge—
siegt, Serenissimus lächelte vorerst nur, dann aber lachte er
laut mit den Uebrigen und Destner verstummte.
„Das war nur ein Vorspiel, jetzt kommt die Reihe an
unsere eigentliche Bastille!“ rief Elsa und sprengte be—
reits nach dem Hasenhause. Der Herzog fand nur noch
Zeit, dem Wärter zuzurufen, der Flüchtlinge so viele einzu—
fangen, als er nur könne, dann wandte er sein Pferd und
etlte Elsa nach. Ach, auch hier kam er zu spät, das Un—
glück war geschehen.
Der Herr Oberst hatte auf Befehl der Dame das Gat—
terthürchen geöffnet und schon drängten sich Hasen und
Kaninchen in wilder Flucht hinaus. Tas große Haus, wie
die kleinen Wohnungen wollten nicht leer werden, es muß—
ten ihrer viele Tausende darinnen sein, denn immer neue
Scharen kamen zum Vorschein, stürzten über einander weg,
kugelten sich auf der Erde herum, und dann, so rasch es
ihre Läufe nur vermochten, dem freien, schützenden Walde
zuzueilen.
Hier war der Anblick der flüchtigen Hasen und Kanin—
chen ein wirklich komischer und der Herzog machte endlich
gerne gute Miene zum bösen Spiele. Es war doch nicht
mehr zu ändern und so erfreute er sich, denn auch, wenn
immer noch ein wenig widerstrebend, an dem drolligen
Anblick, der seiner angebeteten Schönen eine so außeror—
dentliche Freude zu bereiten schien.
„Wie sie laufen — wie echte Hasen! Herr Destner
wäre nicht im Stande, es ihnen gleich zu thun! “rief Elsa
mit mutwilliger Ausgelassenheit. Tann neigte sie sich zu dem
Herzog hin und flüsterte ihm zu, mit einem bösen Blick
auf den Forstmeister: „Gieb auch ihm seine Freiheit, laß
ihn laufen, wie die Hasen, denn er ist der schlimmste Ge—
fangene in Deiner prächtigen Bastille. Mir zu Liebe thue
            
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