Full text : Der Karlsberg

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Zweites Kapitel.
Eine Försterfamilie auf dem Luisenhof.
Zur selben Zeit, als der Jäger Reinhold Destner und
sein braunes Liebchen den herzoglichen Jagdzug erwarteten,
befand sich auf einer anderen Höhe der gebirgigen und waldi—
gen Gegend ein Waidmann, der ebensalls den jagdlustigen
Herrschaften entgegensah, doch schweigend und mit ernsteren
Gedanken, als der ehemalige zum herzoglichen Jäger gewor—
dene Zigeuner. — An dem noͤrdlichen Ende der Hohe, welche
dem Städtchen Homburg fast in gerader Linie gegenüber
liegt, befanden sich in einer Senkung vom Walde rings
uimgeben, mehrere Gebäude ländlicher Art, die jedoch ver—
tachlässigt, sich dem Auge darboten.
Der 1731 verstorbene Herzog Gustav Samuel hatte die
kleinen Bauten errichten lassen und sie Louisenhof genaunt,
seiner geliebten Louise Hosmann zu Ehren, der Tochter
eines seiner Beamten, die er geadelt, und dann, nachdem
er sich eigenmächtig, von sciner rechtmäßigen Gemahlin ge—
chieden, auch geehelicht hatte.
Doch unter der Regierung der folgenden Herzöge auch
vernachlässigt, bot zur Zeit nur der Pavillon ein passen—
des Unterkommen, und hier hatte denn auch der jetzige För—
ster Damian Dümmler mit seiner kleinen Familie seinen
Wohnsitz aufgeschlagen.
Dümmler war noch ein junger Mann von dreißig und
etlichen Jahren, trotzdem aber auffallend ernst und schweig—
sam. Auch Waldpurcha, seine Frau, gewöhnte sich eben so
ruhig, Lachen und Singen hörte man anfänglich in dieser
einsiedlerischen Ehe nicht.
Da wurden dem Förster im Laufe der Jahre zwei Kinder
geboren und dadurch das Leben in dem einsamen Wald—
hause nach und nach ein lauteres und fröhlicheres.
Das älteste Kind war ein Knabe, der Henry genannut
wurde, das jüngste ein Mädchen, dem die Mutter den Na—
men Louise gegeben. Der Knabe war zur Zeit zehn, das
Mädchen fünf Jahre alt. Die Liebe der Mutter zu ihren
Kindern äußerte sich gleichmäßig, doch auf den Vater übte
die kleine Louise einen wahren Zauber aus.
Sie allein konnte ein Lächeln aus dem gebräunten Antlitz
hervorrufen; sie war die Erste und Letzte, wenn er aus
dem Walde heimkehrte, die er begrüßte. In dem Beitchen
galt dem Kinde der erste Kuß.
Am Morgen des Tages, an dem die Parforce-Jagd statt—
finden sollte, hatte Förster Dümmler ernster denn je sich
zum Auszug gerüstet.
            
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