Full text : Der Karlsberg

244

Günstling bekomplimentierend, fügten die älteren vieler—
fahrenen Hofleute sich dieser unerwarteten Neuerung und
auch Testner mußte dies thun, wollte er nicht Gefahr
laufen, auch aus der zweiten Linie in eine noch tiefere,
oder ganz vom Hofe verdrängt zu werden.
Noch eine dritte Person hatte die neue Königin des
Karlsbergs ganz ungewöhnlich und auffallend zu begün—
stigen gewußt. Es war ein baumlanger vierschrötiger Gre—
nadier, der seine Stelle im Regiment samt Uniform ge—
wechselt und in goldcharmariertem Rock und anderen be—
rocken Kleidern mit wichtigem Gesicht den Portier oder
vielmehr den Introdukteur in den Appartements Elsa's
machte. Der Leser hat ihn schon einmal flüchtig gesehen.
in der Nacht des Bivouaks; Elsa schien ihn nicht vergefsen
zu haben, und sie täuschte sich nicht in ihrer Erwartung,
als sie den langen Jonas Wambach zum Hüter ihres ele—
ganten Asyls ernennen ließ. Ter Mann war ihr ergeben:
sein damaliges Thun hatte es ihr damals gesagt und
keiner besseren, treueren Wache hätte sie sich und ihre
Thüre anvertrauen können. Wehe Demjenigen, der es hätte
wagen wollen, ohne Erlaubnis das geheiligte Appartement
zu betreten, sobald Elsa in dasselbe eingekehrt. Der Wäch—
ler hätten den Eingang selbst dem Herzog verwehrt, wenn
Elsa es ihm geboten haben würde. Wie das Herz des plum—
pen Riesen dem schönen Mädchen mit den Glutaugen gehörte,
damals, wie Elsa für ihn gebeten, so gehörte ihr jetzt sein
Leben, für ihn gab es nunmehr nur einen Herrn auf
Erden, nur ein Gesetz: Elsa und ihr Wille.
Diese Personal-Veränderungen und noch manche andere
hatte der Herzog, wenn auch nicht immer ohne Wider—
streben, billigen und anordnen müssen. Doch wurde er
auch dafür belohnt! Noch nie hatte ein Herz für ihn so
heiß geschlagen, so schien es, noch nie war er so glühend
geliebt worden Nunm erst glaubte er, das eigentliche Glück
des Lebens, die Liebe kennen gelernt zu haben, was ihm
bis jetzt geworden, verschwand in Nichts. Er dünkte sich
einem Erdengotte gleich, er war glücklich, selig und hoffte
es auch zu bleiben!
Langsam und nur teilweise in fröhlicher Stimmung
durchritt die kleine Kavalkade die Karlslust. Der junge
Oberst von Scharfeneck schien in glücklichster Laune zu sein.
doch es gelang ihm nicht, eine heiteres Gespräch mit sei—
nem finstern Nachbar in Gang zu bringen, auf alle seine
Reden wurden ihm höfliche, doch kalte Antworten und
so verstummte der hohe Offizier denn endlich ganz. Dafür
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.