Full text : Der Karlsberg

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Zu beiden Seiten der Straße, welche sich hinter den
Gebäuden hinzieht, diese umsäumt, dann in die große Alley
vor den Palästen mündet, sind die drei Regimenter in ihrer
Paradeuniform aufgestellt; ihre Reihen reichen bis in das
Schloß, und der Herzog wird sich an dem Anblick seiner
schmucken Krieger erfreuen können, bis er die Stufen feines
Palastes betritt, wo ihm dann wieder ein Spalier seiner
hübschen, geputzten filles d'honneur empfängt. Der Herr
Oberhof- und Zeremonienmeister versteht sein Geschäft, sein
Herr darf stolz auf ihn sein! —
Da ertönt plötzlich die Glocke der Eremitage. Es ist
das Zeichen, daß der Herzog und die neue Beherrscherin
seines Herzens die Eremitage verlassen, sich den Blicken
ihrer Getreuen zeigen werden.
Die Thorflügel des geheimnisvollen Aufenthaltes flie—
gen auf, Lakaien stürzen heraus; ein lautes „Ah!“ der un—
endlichen seligen Befriedigung wird in allen Wagen laut:
die Hälsse recken sich allenthalben, die Musik setzt mit schmet—
ternden Tönen ein und majestätisch, mit strahlendem Ge—
fichte, diesmal eine riesige gepuderte Staatsallonge auf
dem hochehrwürdigen Haupte, schwenkt Herr Niklas Ganz
von und zu Schellhorn den goldenen Stab in der Hand,
zum Thore hinaus. Er tritt auf den Schlag des Wagens zu,
den die Lakaien aufgerissen haben und, diesen mit der
Linken haltend, erwartet er stolz, im Bewußtsein seines
Amtes, seiner Würde und seines herrlichen Programms
das hohe Paar.
Ter Herzog erscheint. Er führt Elsa an der Hand.
deren goldbrokatene Schleppe die drei Ehrenfräuleins von
Scharfeneck, von Bosberg und die junge Reichsgräfin von
Grehweiler tragen.
Herzog Karl ist jugendlich geputzt, er giebt sich auch
sichtlich größte Muͤhe, es zu scheinen, was ihm jedoch nur
halb gelingt; er trägt sogar, dem Augenblick zu Ehren,
den grand kcordon samt Brillantstern. Dagegen strahlt Elsa
in einer wunderbaren Schönheit. Die prachtvolle Robe
von Goldbrokat, mit Spitzen in verschwenderischer Fülle
besetzt, der reiche Schmuck von blitzenden Steinen in dem
schwarzgelockten, immer noch ungepudercen Haar, um den
entblößten vollen Hals, heben ihre natürlichen Vorzüge in
übrraschender Weise.
Feuriger strahlt ihr Auge und bezaubernd wirkt das
frohe Lächeln des kleinen, allerliebsten Mundes, wenn es
auch noch immer die frühere Schalkhaftigkeit und Keckheit
kündet. Doch ihre Haltung ist eine andere, stolzere ge—
            
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