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Henry blickte den Sprecher scharf und durchdringend an.
Dann sagte er, immer noch mißtrauisch und mit einem An—
flug von bitterem Spott:
„Wie, Sie sollten im Stande sein, Ihre mit der Mutter—
milch eingesogenen Anschauungen so plötzlich und so total zu
ändern, daß Sie ein armes Kind des Volkes als Ihnen
ebenbürtig betrachteten?!“
„Ich bin auch als Adeliger nur ein Kind meiner Heimat
und meines Vockes und stolz darauf. Wenn ein bürger—
liches Mädchen meine Gattin wird, so brauche ich deshalb
nimmer aufzuhören, adelig zu denken und zu handeln.“
So rief Altheim mit edlem Stolz und unwillkürlich
steckte Henry jetzt seinen Degen ein.
„Ich will nicht mit Ihnen streiten,“ sagte er mür—
risch, „doch Ihren Worten glauben, daß Sie in keiner
schlimmen Absicht hierher gekommen. Doch wo sind die
Meinigen?“
„Ich sagte es Ihnen schon: ich fand das Haus bereits
am Nachmittag leer.“
„Haben Sie es durchsucht?“
„Ich maßte mir kein Recht an, unaufgefordert einzu—
treten.“
„Wirklich?“
„Mein Ehrenwort darauf, Herr Dümmler!“
„So kommen Sie, wir wollen es jetzt thun.“
Henry riß die nur mit der Klinke geschlossene Thüre
auf und trat hastig in den dunklen Flur, dann in das
Zimmer. Wohl bekannt mit der Oertlichkeit suchte er in
einem Winkel nach dem Feuerzeug. Doch er fand es nicht—
wohl aber bemerkte er bald die große Unordnung, welche
durch das etwas gewaltsame Aufräͤumen des Limburgers in
der Wohnung eutstanden war. Noch durchschritt er die
zweite Stube und bei dem matten Mondenlicht vermochte er
auch hier die Veränderungen, besonders das Fehlen des
Altarschränkchens zu sehen. Er wußte genug, wenn er sich
auch nicht zu erklären vermochte, wie sein Vater und Louise
im Stande gewesen, einen solchen umfassenden Auszug zu
bewerkstelligen. Er sagte zu dem ängstlich seinem Thun
folgenden Altheim:
„Alles Suchen ist vergebens, Herr von Altheim. Mein
Vater und Louise sind fort. Mein Leben ist bedroht, der
Herzog läßt auf mich fahnden, wie sie vielleicht wissen
werden! Auch die Meinigen schwebten in Gefahr. Ich ver—
mochte sie in vergangener Nacht zu warnen, und so werden
sie denn schon heute morgen den Louisenhof für immer ver—