Full text : Der Karlsberg

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und der Stelle zu erinnern, wo er weilte. Die gesuchten Be—
wohner des Louisenhofes waren noch immer nicht heimge—
kehrt, doch dort — kommen sie! — in den fernen Büschen
raschelt es, als ob Jemand sich schnell der Lichtung
näherte.
Der junge Mann erhob sich, horchte und blickte scharf
nach der Stelle hin, wo er das Geräusch nun immer deut—
licher hörte. Plötzlich trat ein Mann aus dem Walde auf
die Lichtung. Es war nimmer der alte Förster, und die
Hand des Harrenden fuhr an den Griff des Degen.
„Hollah! Wer da?“ rief jetzt der Andere stehen bleibend,
mit drohendem Ton und schon im folgenden Augenblick
blitzte ein Degen in seiner Hand.
„Tümmler — Henry! Sie sind es?“ klang es als Ant—
wort überrascht und recht freudig.
„Herr von Altheim! Wie kommen Sie hierher?“ ent—
gegnete Henry, denn er war es.
„Als Freund, um Abschied von Ihrem Vater, Ihrer
Schwester zu nehmen.“
„In der Nacht und in solcher Verkleidung?“
„Ich bin seit dem Nachmittage hier, klopfe vergebens
an Thüren und Fenster, das Haus war leer. Ich wollte
die Ihrigen erwarten und muß hier, auf der Bank, wohl
eingeschlafen sein. Geträumt habe ich auf alle Fälle. Doch
Sie sind frei! und das nenne ich Glück!“
„Ich bin frei, Herr von Altheim,“ entgegnete Henry
trotzig, „und werde meine Freiheit zu wahren wissen, wenn
hier Verrat lauern sollte.“
„Sie thun mir Unrecht und Weh, Henry! Ich selbst
war Gefangener bis zum heutigen Nachmittag. Doch auch
ich bin nun frei, in zweifacher Weise sfrei. Ich habe den
herzoglichen Dienst aufgegeben und in keiner Verkleidung
sehen Sie mich, sondern in der bürgerlichen Tracht, die von
nun an die meinige sein wird. Ich kehre nach meiner
Heimat zurück, wo ich fortan leben werde und kam hierher.
um Abschied zu nehmen, wozu mir die Erlaubnis von
Ihrem Vater, wie von Ihrer mir so teuren Schwester ge—
worden. Nun wissen Sie Alles und werden mir gewiß nicht
mehr mißtrauen.“
„Was kann Ihnen meine Schwester sein, Ihnen, dem
stolzen Adeligen?“ sagte Henry näher tretend.
„Was sie mir sein und werden kann?“ rief Altheim
enthusiastisch, „ein liebes treues Weib! wenn es mir gelingen
sollte, ihr Herz und ihre Liebe zu erringen.“
            
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