Full text : Der Karlsberg

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ung vor dem halbverfallenen öden Hause. Der Mittag war
vorüber, der Abend kam, da näherte ein ungewohnter Be—
such, ein Reiter, sich dem Louisenhofe. Es war ein junger
Mann in einfach büͤrgerlicher Tracht, wenn auch das kleine
Schnurbärtchen und der Tegen an seiner Seite ihm einen
militärischen Anstrich gaben. Mit seinem Pferde arbeitete
er sich durch das unwegsame Gestrüpp, welches das Haus
umgab, dann stieg er von dem Tiere, das er vermittelst
des Zügels an einen Baum festband und trat langsam doch
sichtlich erregt, auf das Haus zu. Ein Klopfen an der ge—
schlossenen Thüre, anfangs bescheiden, dann immer stärker.
hatte keinen Erfolg, in dem Haus blieb es stille. Der Fremde
wurde ängstlicher, jetzt ging er auf die Fenster zu und ver—
suchte durch die Scheiben in die Stube zu schauen. Er sah
nichts, denn im Innern des Hauses war es bereits dunkel
doch dafür errötele der Späher lebhaft. Er mochte sich in
diesem Augenblick erinnern, daß er vor etwa fünf Tagen,
am vergangenen Montag, ebenfalls durch die Fenster zu lu⸗
gen versucht, jedoch unter ganz anderen Umständen, und daß,
wenn er jetzt in bürgerlichen Kleidern, ein frei gewordener
Mann, hier weile, dies die eigentlichen Folgen jenes Ver—
suchs seien. —
„Sie werden ausgegangen sein,“ sagte er sich endlich,
nachbem alles Forschen, Klopfen an Thüren und Fenstern,
sfogar lautes Rufen nach dem Förster Dümmler, sich als
bergeblich bewiesen. Doch können sie nicht lange mehr
draußen bleiben, die Nacht ist nahe und ich will sie erwarten.
Muß ich den Vater und — Sie, doch noch einmal sprechen,
bevor ich den Karlsberg für immer verlasse, um in mein
bescheidenes Heim zurückzukehren. Auf der Steinbank dort
will ich ihrer harren und wenn es sein muß, bis morgen
früh.“
Nun band er sein Pferd los, um es in Freiheit grasen
zu lassen, dann setzte er sich auf die Steinbank, sich un⸗
gehindert den Gedanken hinzugeben, die ihn lebhaft beschäf⸗
ligen mochten und zu träumen von dem lieblichen blonden
Mädchen, dessen Bild seine Seele so mächtig erfüllte. Die—
ses stille Denken und Träumen mußte einen solchen Reiz
für den Einsamen haben, daß er der Stunden nicht achtete,
die langsam doch unaufhaltsam vorübergingen. Die Abend⸗
schalten waren geschwunden, die Nacht war gekommen und
eine matte Helie, wie der abnehmende Mond sie verbrei—
let, beleuchtere nun recht unheimlich den öden Ort. Da
juhr der Träumer endlich auf, Er erwachte gleichsam und
schien sich jetzt erst wieder seines eigentlichen Vorhabens
            
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