Full text : Der Karlsberg

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Ihr kennt das Lied, und mir bekam es gut, denn ich
durfte mit dem hübschen Mägdlein promenieren bis nach
Käshofen. Sie wollten nach Wiesbach, wo der Alte auf dem
Lärchenhof Verwandte sitzen hat und ich wäre wahrhaftig
mitgegangen, wenn die Tirne sich nicht plötzlich anders be—
sonnen, daß sie daheim etwas vergessen habe — ihr kleines
Spinnrädchen. Ta konnte ich nicht anders — Ihr wißt.
der Limburger ist galant — ich kehrte um, das Spinn—
rädchen zu holen und es ihr zu bringen. Doch der Weg ist
weit und die Sonne brennt schon jetzt heiß genug herab, da
hört meine Galanterie auf und ein kühler Keller, ein frischer
Trunk ist mir schon lieber als ein Spaziergang nach Wies—
bach. Wollt Ihr also meine Kommission zugleich mit der
unserer allergnädigsten Durchlaucht übernehmen, so ist's
mir recht und der Dirne wird's gewiß noch angenehmer
sein. Ihr Spinnrädchen stände auf dem Schränkchen, rechts
in der Ecke der Wohnstube, so sagte sie. Kommt, wir wer—
den es bald gefunden haben.“
Damit schritt er den Grenadieren voran in das Haus.
und richtig! in der Wohnstube und in der Ecke rechts auf
dem Schraͤnkchen stand das Spinnrädchen. Der Limburger
langte es herab und drückte es einem der Grenadiere unter
den Arm.
„Jetzt geht mit Gott!“ sagte er, „Ihr findet sie in
Wiesbach beim Lärchenbauer, gebt der hübschen Dirne das
Rädchen ab mit einem schönen Gruß von dem dicken Lim—
burger, der es vorgezogen, in der schattigen Schänke auf ihr
Wohlsein zu trinken.“
Der Gefreite stutzte wohl ein Weniges, doch stimmte die
Rede des wilden Jaͤgers so genau mit der Oertlichkeit die
ihm doch nur das Maͤdchen beschrieben haben konnte, daß er
an der Richtigkeit der Mitteilung nicht mehr zweifeln konnte.
Er ließ sich von dem Limburger den Weg durch den Wald
bis zu der Straße am Galgenberge beschreiben, was dieser
auch bereitwilligst und recht ausführlich that, dann schulter—
ten die Grenadiere ihre Gewehre und marschierten, der
Eine mit seinem Spinnrädchen unter dem Arm, in der an—
gegebenen Richtung in den dichten grünen Wald hinein.
Der Jäger, der sich auf die Steinbank bei dem Hause
niedergeworfen hatte, und sich den Schweiß abzutrocknen
schien, rief ihnen nach:
„Zerbrecht mir ja das hübsche Rädchen der allerschönsten
Jungfer nicht, und erschreckt sie auch nicht allzu sehr, wenn
Ihr mit Euren langen Gewehren, die noch länger sind, als
Eure Beine, beim Lärchenbauer in die Stube tretet!“
            
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