Deinen Herzog und sein vornehmes Gefolge endlich sehen
dürfen.“
„Ja, ja,“ entgegnete Hanosch, „heute ist große Jagd!
ein Hirsch wird im Lindenschachen und Königsbruch par force
iagt das heißt zu Pferde und mit den Hunden zu tot
zehetzt.“
„Haha!“ lachte die Zigeunerin, „zu tot gehetzt, wie wir
Heimatlosen, erzähle weiter, Hanosch.“
„Nenne mich doch nicht mehr mit dem alten Zigeuner—
namen, da ich nun einmal nach Deinem Willen kein Zigeu—
ner mehr bin.“
„Soll ich etwa unser Kind auch nicht mehr Hanoschao,
sondern nach Teinem Namen nennen?“ klang es als Aut—
wort leise und tief, wie ein fernrollendes Gewitter.
Ein Blick der Mutter hatte dabei das halbnackte braune
Kind zu ihren Füßen gestreift, doch der glänzend gekleidete
Vater achtete nicht darauf.
Jana rief nun befehlend der Alten zu:
„Uscha — Mutter, bringe Hanoscha sort, ich habe mit
Destner zu reden.“
Ohne ein Wort zu reden, nahm die alte Zigeunerin das
Kind auf ihre gelben Arme und trug es davon, während der
große zottige Hund die Alte mit ihrer kleinen Last in lusti—
gen Sätzen umsprang.
„Jetzt sind wir allein,“ sprach Jana, sich an den Jäger
schmiegend, „nun erzähle, was vorgeht, wann Tein Herzog
sommt und wo ich ihn sehen kann.“
„Wir sind hier an bester Stelle, hier in der Nähe muß
er mit der ganzen Schar, seinen Söhnen, Gästen, den
Jägern, Piquers und Hornisten, Hundejungen und einer
Schaar von Hunden vorbeikommen, doch wird es wohl
noch ein Stündchen dauern,“ sagte der Jäger.
„Um so besser, dann wollen wir ihn hier erwarten und
bis er kommt, kannst Du mir von ihm berichten. Er hat
also Söhne, Dein Herzog, die ihn beerben werden?“
„Bewahre,“ lachte Destner laut auf. „Seine Durchlaucht,
Herzog Christian der Vierte, mein gnädiger Gebieter, hat
allerdings zwei Söhne, doch werden diese ihn nicht beerben,
denn ihre Mutter ist dem Herzog, wie es in diesen Kreisen
— DDV—
schöne Pariserin, die meinem gnädigen Herrn mit großer
Verehrung und Liebe zugethan ist. Ter Herzog hat sie zur
Gräsin von Forbach ernannt und ihre Söhne, junge, schmucke
und gutmütige Herren von etwa sechszehn und siebzehn
Jahren tragen ihren Namen. Des Herzogs Nachfolger in
dem Zweibrücker-Lande ist der Sohn seines Bruders, des