Full text : Der Karlsberg

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—2*

Der Zigeuner fuhr unter seine Lumpen und brachte
zehn blanke Goldstücke zum Vorschein. Noch immer miß—
trauisch zögerte er. Da rief Limburger:
„Willst Du einen Christeneid? Ich lege Dir ihn ab.
Tas Wohl der Leute da drinnen steht mir höher, als mein
eigenes Leben. Wir werden fliehen müssen und verhungern
ohne Geld, denn betteln gehen dürfen wir nicht. Gieb mir
das Gold.“
„Ta hast Du es, denn Du meinst es gut mit ihnen.
Warne sie, besser zu fliehen jetzt als später, denn den An—
dern fangen sie nicht. Die Soberana hat's gesagt und die
weiß Alles und lügt nie — wenn sie den Ihrigen Gutes
will. Ich habe gethan nach ihrem Befehl und kehre heim.
Wir würden Dich zu finden und zu strafen wissen, wenn
Du uns betrügen solltest, doch Du dienst dem Manne ehrlich
und wirst für ihn und sein Kind sorgen. Leb wohl!“
Tamit war er, noch bevor der Limburger es hatte ver—
hindern können, im Gebüsch verschwunden; der Jäger stand
da, die Goldstücke in der offenen Hand, er schaute dem Zi—
geuner einen Augenblick nach, dann murmelte er:
„Der Satan weiß, was da vorgegangen! So viel aber
weiß ich: hat der Sohn des Alten sein Messer auf den
Herzog gezückt, so schont dieser weder den Vater noch die
Tochter, kann er den eigentlichen Thäter nicht fangen und
deshalb — müssen wir fort.“
„Was murmelst Du da?“ fragte plötzlich eine Stimme
hinter dem sinnenden Jäger, just als dieser das viele Gold
in die Tasche schob. Er wandte sich erschrocken um und er—
blickte den alten Dümmler, der mit seinem Krückenstock aus
en Hause getreten war und sich ihm unbemerkt genähert
atte.
Der Jäger wurde sichtlich verwirrt. Er wagte es nicht,
dem alten Manne die Wahrheit zu sagen und doch mußte
er reden. Da platzte er plötzlich wie von einer gewaltigen
Angst erfaßt, los:
„Ihr müßt fliehen, der Herzog fahndet auf Euch. Was
vorgefallen ist, ich weiß es nicht, ich wurde soeben gewarnt
und größte Eile ist notwendig. Geht hinein, rafft zusammen
so viel Ihr nur könnt, macht einen Pack so groß Ihr nur
wollt, der Limburger wird alles schleppen und Euch sicher
geleiten, wohin Ihr es verlangt. Nur eilt, kein Augenblick
ist zu verlieren. Es wäre entsetzlich, wenn sie Euch und —
unsere Louise fingen! Ich darf nicht ausdenken! Eilt! Ich
will indessen vor dem Walde spähen, ob sie etwa schon
kommen. Während dem macht Alles zur Flucht bereit.“
            
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