243 —
lächelnd sagte er sich : „Richtig! Ich schnüre dem Kerl
ja die Kehle zu, wie kann er da reden!“ Zugleich ließ er
den Hals des braunen Burschen fahren und faßte dafür
dessen Handgelenke in einer Weise, daß diesem die Knochen
knackten. Tann wiederholte er seine Frage noch einmal.
Der Zigeuner, der sich rasch wieder erholte, entgegnete
geschmeidig:
„Ich komme als Freund, um dem alten Manne drinnen
eine Botschaft zu bringen von seinem Sohne.“
„SoTann sprich! Ich will's dem Förster schon
hinterbringen. Doch belügst Du mich, brauner Schuft, dann
ist's Dein Ende.“
„Der Sohn des Mannes saß gefangen in der Karlslust,
nun hat er sich frei gemacht —“
„Um so besser! Dann wird er auch bald hier und bei
uns sein.“
„Nein! Erst zur Nacht kann er die Karlslust, die scharf
bewacht wird, verlassen. Die Soldaten suchen ihn, denn er
hat sein Messer gegen seinen Herzog gezogen.“
„Alle Teufel, das wird ernst.“
„Unsere Soberana hat ihn aufgenommen und schützt
ihn; seine Feinde werden ihn nimmer finden, und heute
Nacht ist er frei. Er läßt seinem Vater sagen, er möge auf
seiner Hut sein, denn der Herzog könnte sich in seinem
Zorne an den Unschuldigen rächen.“
„Das ist richtig!“ sagte der Limburger sinnend. Dann
hob er den Kopf, blickte den Zigeuner durchdringend an und
fragte: „Toch wer sagt mir, daß Du mich nicht belügst, daß
ich Dir trauen darf?ꝰ“
„Jana, die Soberana, hat mir Gold gegeben, ich soll
es dem alten Manne einhändigen, im Falle er mit seinem
Kinde fliehen will. Ter Herzog ist ein harter grausamer
Herr, und die Soberana weiß, daß er sich rächen wird,
wenn er den kühnen jungen Mann nicht findet.“
„Wieder richtig! Gieb mir auf alle Fälle das Gold.“
„Nein! Mein Auftrag lautet, es dem alten Manne
selbst zu geben.“
„Ich bin in seinen Diensten und in meiner Tasche ist
es besser aufgehoben, als in der seinigen. Muß er fliehen,
so gehe ich natürlich mit ihm.“
„Wer sagt mir, daß ich Dir trauen darf?“
„Hm! Ein Zigeuner, der Gold bringt, kann kein Dieb
sein. Gieb mir das Gold und ich will Dir glauben.“