Full text : Der Karlsberg

schwarzem, zottigem Haare auf, um eben so rasch wieder
zu verschwinden. Doch aus dem Eingang eines halbver—
fallenen Thurmes trat eine Frauengestalt, in wenige bunte
Lumpen gekleidet, hervor, die in stürmischer Eile auf den
geputzten Jäger zusprang, ihn mit ihren nackten braunen
Armen leidenschaftlich umhalzte, ihren Kopf zu dem Seinigen
emporhob, um ihn zu küssen.
„Gemach, Jana!“ rief der Jäger fast unwillig. „Siehst
Du denn nicht, daß ich meine Forstlivree trage, gepudert
Locken und Haarbeutel, die durch eine solche ungestüme Be—
rührung leicht Schaden nehmen können! Denn allzu sauber
seid Ihr in Euern Erd- und Mauerlöchern nicht, Du, trotz
Teiner schwarzen Satansaugen, Deiner Feuerlippen, ebenso—
wenig wie die Andern.
Tas Mädchen, eine volle, üppige Gestalt, war bei diesem
kalten Empfang mit einem zuckenden Aufschnellen des Kopfes
zurückgewichen: ihren schwarzen Augen entfuhr ein Blick,
der, einem Blitze gleich, den Jäger traf, während die roten
schwellenden Lippen des kleinen Mundes sich trotzig auf—
warfen. Doch nur einen Augenblick dauerte diese wilde
Bewegung, im solgenden schon nahm das braune und trotz
seiner eigentümlichen Farbe schöne Gesicht, wieder einen
ruhigen sast gleichgiltigen Ausdruck an. Nur der Mund
lächelte spöttisch und mit einer Stimme, die voll und tief
wie der Ton einer ehernen Glocke klang, sprach sie:
„Verzeih'! — Ich vergaß, daß Hanosch Destner nicht
mehr mein Mann ist, sondern ein Diener und Jäger des
gnädigen Herzogs von Zweibrücken geworden, daß er, wie
einen anderen Namen, auch ein anderes Kleid trägt — daß
wir geschieden sind und ich nach Belieben den schwarzen
Gallando oder einen Andern der Unsern aus meinem sil—
bernen Becher trinken lassen, ihn zu meinem Mann und
zum Marodat der Bande machen kann.
„Laß doch den Spott, Jana,“ erwiderte der Jäger be—
säustigend, indem er den Arm unter die schlanke Taille der
Zigeunerin legte und den halbnackten, üppigen Oberkörper
mit seiner zerfetzten Hülle vorsichtig, doch mit einer Glut
an sich preßte. „Daß ich herzoglicher Jäger geworden, mich
Reinbold Destner nenne, ist mit Deinem Willen geschehen,
daß Jana noch immer mein Alles, mein Himmel ist, trotzdem
der Krug, der unserer Ehe Jahre zählen sollte, Dich mir
nur für Monde schenkte, habe ich Dir bewiesen, denn seit der
Zeit, wo wir uns getrennt, vor nun vier Jahren, wo Du
mit den Deinen das Land von einem Ende zum andern
durchzogst, ich hier und in Paris bei meinem Herrn geweilt
            
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