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Durch das Gebrüll der Bären glaubt er Stimmen — ihre
Stimme zu hören und wenn der Befreier kommt, wird es
wohl — zu spät sein!
Er weint! Ein entsetzliches Weh, ein nicht zu zähmen—
der Grimm preßt ihm die Thränen aus. Doch kommt er
auch zu spät zu retten, zu strafen, sich zu rächen, ist es
immer noch Zeit! So sagt er sich und schon ist sein Messer
an der Arbeit.
Am Tage hat er Zeit gehabt, die bei der Arbeit der
Nacht stumpf gewordene Klinge wieder zu schärfen, und er
hat wohl daran gedacht. Hei! Wie rasch und scharf schnei—
det die Spitze in die halb morschen Bretter! Bald hat er ein
Loch gemacht, groß genug, um mit der Hand hindurchgreifen
und draußen die Schiefer behutsam abnehmen zu koͤnnen,
damit sie nicht niederprasselnd ihn und sein Thun verraten.
Es gelingt; und wenn auch noch immer vor Aufregung
zitternd, vermag er doch, ohne Geräusch zu machen, einen
Schiefer nach dem andern zu sich hereinzuziehen und vor—
sichtig auf das Gewölbe niederzulegen. Endlich hat er eine
Stelle des Daches abgedeckt, mehr als groß genug zu einem
Durchlaß und nun geht er wieder an das Zerschneiden der
Bretter. Hier muß er langsamer arbeiten, denn das Dach,
zittert bei seinem Schneiden und Sägen. Doch auch hier
kommt er voran. An einer Stelle ist endlich das Brett
durchschnitten, nun auch an der anderen. Das Stück ist
lose — er vermag es wegzubrechen und der klare Nacht—
himmel strahlte ihm entgegen. Er ist frei!
Freilich, wohl mehr als eine halbe Stunde hat diese
neue aufregende und anstrengende Arbeit gedauert, und drü—
ben durch die Fensterscheiben schimmert noch immer gleich—
mäßig das Licht, drüben weilen sie noch immer — doch
keine Stimme vermag er mehr zu hören.
Geduld! Noch wenige Augenblicke und sie sind nicht
mehr allein!
Schon steigt er durch die Dachlucke hinaus auf das
Dach, dann von demselben herab auf die Eisenstangen.
Wohl brechen hierbei einige morsche Schiefer und fallen zu
Boden, doch ihr leichtes Prasseln hört man nicht, denn die
Bären, aufgeregt durch die ungewohnte menschliche Gesell—
schaft in ihrem Zwinger, brüllten noch immer fort. Und
wenn auch? Der Flüchtling hätte weder den einen Wärter,
noch alle beide gefürchtet. Er mußte thun, was ihm zu voll⸗
bringen oblag und kein Hindernis konnte es für ihn geben.
Der zweite Wärter war jedoch noch immer nicht zurückge—
kehrt und Kamozky befand sich in seiner Wohnung.