Full text : Der Karlsberg

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Nun stiegen aus dem gewaltigen Feuerschein auch ein—
zelne Raketen auf, doch nicht gerade empor in die Luft, son—
dern unregelmäßig nach allen Seiten und in verschiedenen
Höhen. Kein Zweifel mehr, es war ein Feuerwerk, das
dort abgebrannt wurde; der Hof erlustigte sich wohl bei
einem Nachtfest in der Karlslust. Und dennoch schien dies
Alles nicht natürlich, denn durch das Knattern, Knallen und
Zischen der brennenden und zerplatzenden Gegenstände drang
dann und wann ein ganz eigentümlicher Lärm von Stim—
men, ein Schreien, das mehr einem Jammern als einem
lärmenden Beifall glich. Ungewöhnliches, wenn nicht gar
ein Unglück mußte sich dort auf dem Festplatz ereignet
haben, dies sagte sich Henry, und der Wärter mußte Aehn—
liches denken, denn die Aufregung des Mannes war nup
zu deutlich sichtbar. Laut fluchend, wohl über seinen saum—
seligen Kameraden, schritt er vor dem offenen Gitter, dem
Eingange des Zwingers, hastig auf und ab, während jetzt
die Bären samt und sonders ihr entsetzliches Gebrüll im
allen Tonarten und Schattierungen erhoben. Die Auf—
regung der beiden in dem Zwinger weilenden Männer wurde
eine um so größere, als die beängstigende Erscheinung in
der Ferne noch immer fortdauerte. Plötzlich ließ sie nach,
so rasch wie der Feuerschein entstanden, sich entwickelt, ver—
schwand er wieder. Noch einzelne Raketen, Feuergarben
schossen auf, dann sank Alles in das frühere Dunkel zurück,
wenn auch die Stelle über dem Walde immer noch etwas
erhellter erschien, als ihre Umgebung.
Noch starrte Henry unbeweglich auf den vorhin noch
so glühend hellen Teil des Nachthimmels, als plötzlich
seine Aufmerksamkeit auf andere Vorgänge gelenkt wurde.
Vor dem Zwinger waren zwei Personen angelangt, aus
dem dunklen Walde mußten sie gekommen sein, sonst hätte
man sie ja früher bemerken müssen. Es war ein Mann in
Bauernttacht, doch mit flatternden Bändern auf der Jacke
und ein Mädchen, wohl als Bäuerin, doch seltsam und bunt
gekleidet, wie Heury dies bei dem Halbdunkel, das draußen
herrschte, sehen konnte. Das Mädchen mußte krank oder
doch uünwohl sein, denn ihr Begleiter hatte sie auf die
Steinbank gebettet, wo es nun, das Gesicht auf dem Arme
ruhend, lag. Der Fremde hatte hastig und leise einige
Worte zu dem Wärter gesprochen, welche dieser die Mütze
in der Hand und mit tief gebücktem Haupte angehört, dann
war Letzterer rasch in seine Ruine hineingesprungen und
schon im folgenden Augenblick kam er wieder zum Vor—
schein, seine brennende Lampe in der Hand.
            
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