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duld — Geduld! Oft preßte der Gefangene die geballte
Faust auf das Herz, um dessen wildes Schlagen zu dämpfen:
zur Ruhe zurückgekehrt, fuhr er dann jäh wieder auf, die
Zähne zusammenpressend, einen Schrei der Wut zu unter—
drücken. Doch alles dies half nichts, es führte die Nacht
nicht rascher herbei.
Etwas Ungewöhnliches mußte indessen draußen in der
Karlslust vorgehen.
Der Wärter wich nicht von der Stelle, trotzdem nun—
mehr die Zeit vorüber war, wo er sonst in sein Ruinen—
haus gekrochen und sich zur Ruhe gelegt. Er wartete noch
immer auf seinen Kameraden und freute sich auch der mil—
den kühlenden Nachtluft. Dabei horchte er, wie Henry,
auf die jetzt deutlicher herüberklingenden Töne der Instru—
mente, das Lachen und Gebraus der Stimmen. Der Mann
kannte vielleicht doch die Ursache, die Henry fremd war,
und hatte das wirre Lärmen demnach eine Bedeutung für
ihn. Indessen verging die Zeit und da die Nacht endlich
gekommen, so entschloß sich Henry, dessen Aufregung fie—
berartig geworden, trotz des wachenden Wärters, an seine
Arbeit zu gehen.
Diesen Beschluß einmal gefaßt, zögerte er nicht länger.
Er erstieg die Mauer, sein langklingiges Messer in der
Hand und begann frischweg den letzten Mörtel aus den
Fugen des Steines zu entfernen und letzteren so locker
als möglich zu machen. Dies war bald geschehen und schon
seßte er nach einem Augenblick der Sammlung die Schultern
an, um den Stein in die Höhe zu heben, als er plötzlich
zusammenfahrend innehielt.
Was war das? In der Ferne, dort, wo bis jetzt die
Töne der Musik erschallt, war mit einem Male ein furcht—
bares Knattern und Schießen laut geworden, als ob ganze
Pelotons ihre Gewehre durcheinander abfeuerten. Zugleich
hatte sich in derselben Richtung ein heller Feuerschein er—
—D
oder minder lang anhaltend, durchzuckte. Das Knattern
und Donnern, der grelle wechselnde Feuerschein dauerten
nicht allein fort, sondern wurden von Sekunde zu Sekunde
stärker, gewaltiger und beängstigender. Der Bärenwärter
Kamozky hatte sich von seinem Sitz erhoben und starrte
überrascht und sichtlich erregt nach der hellen Stelle über
den Bäumen des Waldes. Henry erfaßte ein wirkliches
Bangen, er ließ seine Arbeit ruhen und kletterte rasch wie—
der die Mauer herab, horchend und mit Spannung über
die Ursache der sonderbaren nächtlichen Erscheinung nach—
grübelnd.