Full text : Der Karlsberg

1. Abteilung.
Eine Parforce Jagd im Jahre 1775.

Erstes Kapitel.

Zigeuner⸗Ehen. Ein Wiedersehen nach vier Jahren.

Auf dem Hochplateau der Pfalz, wo sämtliche Haupt—
straßen des Landes sich kreuzen, wo heute das Dampfroß die
Reisenden im Fluge dahinfuͤhrt und mitleidig auf die „Kai—
serstraße“ zu blicken scheint, die im Anfang des Jahrhun—
derts ihrerseits als ein Wunder der Wegebaukunst auige—
staunt wurde, da zweigt sich bei dem Staͤdtchen Homburg
von der großen Heerstraße ein Seitenweg ab, der durch das
Bliesthal führt und obengenanntes Städtchen mit der ehe—
maligen Hauptstadt der Pfalz, Zweibrücken, verbindet.
Vor etwa hundert Jahren war dieser Weg wohl der be—
deutendste des Landes, da er hauptfächlich den Verkehr zwi—
schen der Rhein- und der Churpfalz und ihren Resideuüzen
Zweibrücken und Mannheim vermittelte, doch glich er trotz—
dem noch lange nicht einer heutigen Straße zweiten Ranges.
Besonders dort, wo der Weg sich durch das an Bewohnern
arme Bliesthal wand, befand er sich in einem fast uͤran—
fänglichem Zustande und wurde sogar stellenweise durch das
steinige Bett der Blies gebildet, in welchem Reiter und
Wagen dahinziehen mußten, während nur dem Wanderer
ein Pfad blieb, um trockenen Fußes seinen Weg sortsetzen
zu können. Etwa in der Hälfte der Straße, zwischen Hom—
burg und Zweibrücken, wo die Berge näher aueinander
rücken, liegt ein kleiner Ort, Schwarzenbach genannt und
ihm gegenüber erscheinen auf einer schroffen, vorspringen—
den Höhe, Büsche und Bäume überragend, die Trümmer
eines älteren Bauwerks, die sich bei näherer Betrachtung
als die einer ehemaligen Kirche, von nicht gewöhnlicher
Größe erweisen.
An einem Herbsttage des Jahres 1775 durchschritt ein
Reiter im grünen, goldbordiertem Rocke an dieser Stelle.
das stille Buͤesthal, doch in der Nähe der Ruinen angelangt.
            
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