Full text : Der Karlsberg

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Seide und Sammet, doch nach bäuerischem Schnitt gekleidet.
Die alte Exzellenz Oberhofmeisterin hatte sich bemüht, eine
ideale ländliche Waschfrau darzustellen; die nur halb unter
Spitzenärmel verborgenen, bloßen und mageren Arme soll—
ten dies wohl andeuten, wenn sie sich auch mit kostbaren
Spangen geschmückt fanden. Riesig war die bebänderte
Haube und die vorgebundene Schürze mit ihrem koketten
Brustlatz war sogar von Goldbrokat. Ein Bauernlakai hob
ihr noch ein niedliches, vergoldetes Waschbüttlein in den
Wagen, das jedoch nicht mit profaner oder etwa gar schmu—
tziger Wäsche, dafür aber mit feinen Pariser Bonbons in
zierlich-prächtigen Enveloppes gefüllt war.
Doch was war all' diese seidene und damastene Bauern—
pracht gegen die filles d'honneur, welche jetzt, ein ganzes
Batdilloͤn, mit Elsa an der Spitze, laut plaudernd und
lachend die Stiege herabsausten und in tollem, lustigem
Turcheinander sich der für sie bestimmten Wagen bemäch—
tigten. Alle waren fast gleich gekleidet, und dies erhöhte
den Reiz, ihrer Erscheinuñg nach ganz besonders, denn die
Wirkung, welche das Massenhafte des »leganten, schimmern—
den Pußes ausübte, kam jeder Einzelnen zugut. Sie trugen
alle buntgestreifte, kurze, leichte Seidenröckchen, die die fei—
nen Strümpfe, couleur de chaire, sowie die zierlichen Schuhe
mit den hohen roten Absätzen deutlich sehen ließen. Ueber
den kokett, sich auf den Hüften wiegenden kleinen Paniers
legte sich das mehrfach, einer Draperie gleich aufgeschürzte
Oberkleid von buuter, schillernder Seide, mit großen Bou—
quets besät und mit einem wahren Ueberfluß an flattern—
den Bändern verziert. Die Schoßjäckchen mit den engen
Halbärmeln von demselben Stoff ließen Hals und Brust
sowie die Unterarme, von Spitzen nur halb bedeckt, sehen;
das gelbe, mit Blumen hochaufbesteckte Strohhütchen, das
ganz' oben auf dem hochtoupierten, gepuderten Haar nach
borne zugeneigt saß, vollendete den ebenso koketten als
originellen Anzug.
Nur in ihrem Kopfputz unterschied Elsa sich von den
Gefährtinnen. Sie hatte sich nimmer zum Pudern ihres
Haares verstehen wollen, trotz aller schmeichelnden Bitten
der Mutter Agnes sich so troßzig und energisch dagegen ge—
sträubt, daß man endlich nach ihrem Willen gethan und das
prachtvolle schwarze Haar in Ringellocken frifiert hatte,
die, mit einzelnen Blumen besteckt, ihrem schönen Gesichte
einen wirklichen Zauber verliehen. Turch diese vollständig
fremdartige — und doch so natürliche! — Haarzierde, trat
hre Schöuheit noch ganz besonders hervor, und wenn das
            
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