Full text : Der Karlsberg

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ausersehen, und nach dem zweiten Frühstück hatten die Fest—
lichkeiten ihren Anfang zu nehmen. Der ganze Hof war dazu
geladen, nein, befohlen! obgleich ein solcher hoher Hofbe—
fehl unnötig gewesen, denn Niemand würde sich davon aus—
geschlossen haben, er hätte denn sterbenskrank in seinem
Bette gelegen. Die ganze Generalität, das Offizierskorps
mußte Teil daran nehmen, doch nicht in ihren Uniformen,
sondern als Phantasiebauern und Schäfer, wozu ihnen die
nötigen Kostüms aus dem reichen Schatze der Kleidermutter,
der Madame Agnes Müllerin, zur Verfügung gestellt
wurden.
Nur zwei Offiziere waren strengstens, sogar durch einen
hochfürstlichen Spezialbefehl, von der Teilnahme an der
herrlichen Idylle ausgeschlossen worden. Es waren dies ein
Offizier von den Chevauxlegers und einer von den Husaren,
Herr Hans von Altheim und Herr Guido von Scharfen—
eck. Herzog Karl hatte denn doch im Verlauf des vergange—
nen Tages Zeit gefunden, sich näher nach dem Duell zu
erkundigen, und ganz richtig geschlossen, daß einer der
Offiziere ein Anbeter der schönen Elsa sein müsse. Eine solche,
immerhin nicht ungefährliche Konkurrenz — die beiden
jungen Offiziere waren ihrem obersten Kriegsherrn an
körperlichen Vorzügen weit überlegen — konnte der Her—
zog gerade in dieser Zeit seines eigenen Werbens nicht ge—
brauchen, und sollten sie ihm auch nicht gefährlich sein, so
waren sie doch immerhin hinderlich, konnten seine Projekte
stören, auf alle Fälle ihm unbequem und nur im Wege
sein. Deshalb — weg mit ihnen! für die wenigen Tage,
bis er selber am Ziele angelangt sein würde. Tann konnten
sie ihm nicht mehr schaden, denn wer hätte es wagen dür—
fen, sein Auge zu der Schönen aufzuschlagen, welcher der
allmaͤchtige Gebieter erfolgreich huldigte und die der ganze
Hof als die Beherrscherin des herzoglichen Herzens aner—
kannte, huldigend anerkennen mußte?!
Zu einer strengeren Bewachung der beiden Stuben—
arrestanten hatte die ohne Erlaubnis erfolgte Entfernung
Altheim's, welche nur zu bald bekannt geworden war, die
geeignetste Handhabe abgegeben. Zwei Grenadiere waren
bor die Thüren der Wohnung der beiden jungen Herreg im
Kavaliersbau postiert worden, die alle zwei Stunden, Tags
und Nachts, abgelöst werden sollten und die strengste Weis⸗
ung hatten, ihre Gefangenen nicht vor die Thüre zu lassen,
sie, wenn nötig, mit Gewalt an einem Versuch zur Flucht
zu verhindern. Um den Dritten der Streitenden, den För—
ster, hatte der Herzog sich nicht bekümmert, er war ja nach
            
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