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Zwölftes Kapitel.
Eine Hof⸗Idylle. — Der Heuwagen.
Eine der beliebtesten Lustbarkeiten des 17. und 18.
Jahrhunderts waren die sogenannten „Wirtschaften“, bei
welchen Serenissimus und Serenissima den Wirt und die
Wirtin, die Hofchargen, Kavaliere und Damen die Bedien—
ung bis zum Hausknecht herab machten. Hierzu kamen die
„Schäfereien“, welche im Freien durchgeführt wurden und
den Watteau's und Creuze's Motive zu allerliebst koketten
Genrebildern der Roccoco- und Zopfzeit lieferten. Beide
Vergnügungen erhielten sich durch das ganze 18. Jahr—
hundert. Hielt doch der prachtliebende Herzog Karl Eugen
von Württemberg noch 1777, bei Gelegenheit der Durch—
reise des Kaisers Josefs des Zweiten, eine solche Wirt—
schaft ab, wobei er sogar über das Thor seines Schlosses
ein Schild mit der Aufschrift „ßZum römischen Kaiser“ hatte
anbringen lassen und die Majestät als Hotelwirt empfing.
Während dieser Reise hatte Kaiser Josef auch den Karls—
berg besucht, und hier unterhielt Herzog Karl seinen hohen
Gast mit einer „Schäferei“, doch auch noch mit ganz
anderen prächtigen Wald- und Hoffesten, so daß die römi—
sche Majestät dem Karlsberg und Alles, was sie in der da—
mals neuen Zweibrücker Residenz erlebte, als ein Wun—
der anstaunte und pries. Diese Schäfeveien hatten durch
die Idyllen, welche Marie Antoniette in ihrem Versailler
petit Trianon zu schaffen gewußt, einen neuen Reiz er—
halten und wo sie noch an deutschen Fürstenhöfen stattfan—
den, suchte man ihr französisches Vorbild so gut als möglich
nachzuahmen, wenn nicht zu übertreffen.
Eine solche Schäferei, eine solche bebänderte und ge—
puderte Idylle, wie man das ländliche Hoffest wohl nennen
dürfte, hatte Herzog Karl für den Tag Jovis, den Don—
nerstag der Woche zu befehlen geruht. Das Einfach-Ländliche
sollte sich mit dem Prächtigen verbinden, und die kleine
verführerische Hexe, welche bis jetzt nicht zu fassen gewe—
sen, fesseln, blenden und wenn moͤglich — besiegen. Ver—
schiedene Orte der Karlslust waren als Schanplatz dazu